ARTIKEL I Scheidungen

Dass man Hochzeiten feiert, ist Usus im Westen wie in China. Doch dass auch Scheidungen zelebriert werden, ist ein Phänomen, das vorerst auf China beschränkt bleibt. Darauf weist Pan Wang, Wissenschaftlerin an der University of New South Wales (Australien), in einem Beitrag für das East-Asia-Forum hin. Titel: „Divorce as a certificate of happiness in modern China“. Dort berichtet sie, dass viele Frauen in China ihre Scheidung feiern und ihre Scheidungsurkunde als ein Zertifikat des Glücklichseins betrachten. Wang, die vor ein paar Jahren das Buch „Love and Marriage in Globalizing China“ geschrieben hat, geht in ihrem Artikel auch auf die Geschichte der Scheidung in China ein. Im kaiserlichen China war es das Privileg des Mannes, sich scheiden zu lassen. Das 1950 eingeführte Heiratsgesetz hat das geändert, trotzdem war eine Scheidung auch danach nicht einfach. Bis 2003 musste zum Beispiel noch der Arbeitgeber sein Einverständnis abgeben. In den vergangenen Jahren haben die Scheidungen in China zugenommen. Warum? Wang: „China´s fast growing economy has opened a Pandora´s box of reasons for divorce: economic prosperity, personal freedom, increasing mobility as well as materialism.” Seit Kurzem versucht die Regierung die Zahl der Scheidungen (2022: 2,1 Millionen) zu stoppen. Dazu hat sie 2021 eine sogenannte „Abkühlungsperiode“ eingeführt“, wonach scheidungswillige Ehepaare nochmals 30 Tage nach dem Scheidungsantrag überlegen sollen, ob dies der richtige Schritt ist. Wang urteilt: „This has come too late and may have little input on the long term.”

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