WIRTSCHAFT I Hongguang in der Erfolgsspur – vor Tesla

Soeben wurde die Liste der Autozulassungen in China für das Jahr 2022 veröffentlicht. An der Spitze der meistverkauften Elektroautos steht kein Tesla, auch kein BYD und auch kein NIO. Nein, ganz oben steht ein Gefährt namens Hongguang. Exakt 404 823 Stücke dieses Modells wurden im vergangenen Jahr verkauft. Es lag damit klar vor dem Tesla Modell Y. Wie schon in den beiden Jahren zuvor war Hongguang, der im Sommer 2020 auf den Markt kam, der Spitzenreiter.

Warum ist der Hongguang so erfolgreich? Er ist schlicht und einfach günstig. Die einfachste Version kostet gerade mal 44,800 Yuan (6000 Euro), die teuerste 99 900 Yuan (15 000 Euro). Dafür bekommt man ein Auto, das in seiner billigsten Version maximal 100 Stundenkilometer fährt und eine Reichweite von über 100 Kilometern hat. Aber immerhin ist es ein Viersitzer, trotz seiner geringen Länge von knapp drei Metern. Inzwischen gibt es ihn auch in einer Cabrio-Version, dann allerdings nur als Zweisitzer. Bestellen kann man das kleine Auto unter anderem in verschiedenen Pastellfarben. Das. Modell wird permanent optimiert, was Reichweite und auch Innenausstattung betrifft. Inzwischen kann man in der teuersten Version mit einer Batterieladung rund 280 Kilometer weit fahren.

Produziert wird der Marktführer von einem Joint-Venture namens SAIC-GM-Wuling. SAIC (Anteil: 50.1 Prozent) ist der staatliche Autokonzern aus Shanghai, der auch Partner von Volkswagen ist. GM (44 Prozent) ist das Kürzel für den US-Konzern General Motors. SAIC und GM arbeiten bereits seit 24 Jahren zusammen. Wuling ist eine chinesische Automarke, die einst das Unternehmen Liuzhou produzierte. 2001 wurde Liuzhou von SAIC mehrheitlich übernommen.

Hongguang gehört einer Kategorie an, die noch gar keinen richtigen Namen hat. Die einen nennen sie Low-Speed Vehicles (LSVs), die anderen Microcars, Mini-EVs oder tiny cars. Sie mögen zwar klein sein, haben aber schon einen relativ großen Marktanteil bei den E-Autos in China. Er schwankt zwischen knapp 20 und 30 Prozent. Der Hongguang wird vor allem als Stadtauto benutzt. Natürlich muss das Modell auch Spott ertragen. Ein besserer Golfcart sei es, amüsieren sich die einen. Andere, wie das japanische Wirtschaftsmagazin Nikkei Weekly, nennen es „a 4500$ alternative to walking“.

Die große Frage ist, ob sich der Erfolg in China auf anderen Märkten wiederholen kann. In den entwickelten Märkten wird sich der Hongguang schwertun. Der lettische Händler Dartz Motors versuchte eine aufgemotzte Version des Hongguangs in Europe zu verkaufen – mit mäßigem Erfolg.

Info:

Hier eine visuelle Darstellung des Hongguang: https://www.youtube.com/watch?v=Vyv1aGfdVrk

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