Chinas Führung setzt auf Technologie. Das wurde im soeben verabschiedeten neuen Fünf-Jahres-Plan deutlich. Dort sind auch die Technologiebereiche aufgelistet, in denen China mitmischen und an die Weltspitze gelangen will. Die Palette der Technologien ist breit: Sie reicht von Künstlicher Intelligenz über Robotik bis zu Biopharma. Fast täglich tauchen in diesen Tech-Bereichen neue Start-Ups auf, so dass man etwas den Überblick verlieren kann. Ich will deshalb in den nächsten Wochen und Monaten in einer Serie die hoffnungsvollsten jungen Tech-Unternehmen Chinas vorstellen. Heute stelle ich Momenta vor – ein Unternehmen, das Software fürs Autonome Fahren entwickelt und herstellt.
Am 8. Juli ging das Unternehmen Momenta Global Ltd. an die Börse in Hongkong. Private und institutionelle Investoren standen Schlange und wollten bei diesem IPO dabei sein. Aber nicht allen gelang dies. Das Papier war 414fach überzeichnet.
Was macht dieses Unternehmen so begehrenswert? Momenta entwickelt Software für selbstfahrende Autos und verkauft diese an Autohersteller in aller Welt. Momentas Software steckt in Autos von Audi, BMW, Daimler, GM, Toyota, aber auch von chinesischen Herstellern wie zum Beispiel BYD oder SAIC. Am Abend vor dem Börsengang verkündete das Unternehmen, dass seine Software inzwischen in über einer Million Fahrzeugen steckt.
Das Besondere an Momenta ist aber, dass die Autofirmen nicht nur Abnehmer der Momenta-Software sind. Einige von ihnen sind auch investiert in das Unternehmen. So gehören SAIC Motor, General Motor und Mercedes-Benz zu den Schlüsselinvestoren des 2016 gegründeten Unternehmens mit Sitz in Beijing und Hangzhou. Mercedes ist zum Beispiel bereits ein Jahr nach der Gründung bei Momenta eingestiegen. Zum ersten Mal hat damals die Mercedes Benz Group in ein chinesisches Startup investiert. Inzwischen hat Momenta seine Europazentrale in Böblingen, also mitten im Daimler-Umfeld.
Kopf des Unternehmens ist Cao Xudong, der das Unternehmen gegründet hat. Er war früher bei Microsoft und dem chinesischen Unternehmen SenseTime. Unter seiner Führung entwickelte sich Momenta zu einem weltweit führenden Anbieter bei den L2 Advanced Driver Assist Systems (ADAS). In der Terminologie des autonomen Fahrens bedeutet L2 ein teilautomatisiertes Fahren, bei dem der Fahrer aber den Verkehr ständig im Blick haben muss. Bei ADAS hat Momenta inzwischen einen globalen Marktanteil von 64,5 Prozent. Bereits 2021 stieg die Bewertung des Unternehmens auf über eine Milliarde Dollar. Momenta war damit das erste chinesische Einhorn im Bereich Autonomes Fahren.
Trotz dieser Erfolge macht das Unternehmen aber noch kräftige Verluste. 2025 betrug der Verlust 1,87 Milliarden Yuan bei einem Umsatz von 2,41 Milliarden Yuan. Cao Xudong macht aber auf Optimismus: „Nächstes Jahr erreichen wir die Gewinnzone“, sagte er in einem Interview mit dem Tech-Onlineportal 36kr.
Die Investoren scheinen ihm zu vertrauen. 14 sogenannte Ankerinvestoren haben sich vor dem IPO verpflichtet, Aktien von Momenta zu kaufen. Darunter waren so bekannte Namen wie BlackRock, Fidelity und Franklin Templeton, aber auch die singapurianischen Staatsfonds GIC und Temasek.
Der Börsengang spülte dem Unternehmen rund 750 Millionen $ in die Kassen. Ein Großteil der Emissionserlöse soll in den Ausbau von Forschung und Entwicklung gesteckt werden. Im nächsten Jahr will das Unternehmen auch in die Robotik einsteigen. Als Cao Xudong in dem Interview mit 36kr gefragt wurde, ob Momenta ein Unternehmen für intelligentes Fahren oder bereits ein KI-Unternehmen sei, antwortete er: „Langfristig sind wir zweifellos ein KI-Unternehmen, zu dem auch das autonome Fahren gehört.“