Bislang war es in Hotels weltweit üblich, dass man erst ab einer gewissen Uhrzeit (meist 14-15 Uhr) einchecken konnte und bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (meist 11-12 Uhr) auschecken musste. In China ist in den 2002 erlassenen „Regeln der chinesischen Tourismus- und Hotelbranche“ sogar in Artikel 10 vorgeschrieben, dass die Hotelgäste spätestens um 12 Uhr abreisen müssen. Bei der Überarbeitung dieser Regeln 2009 wurde dieser Artikel 10 aufgehoben, aber an der Praxis änderte sich damit nichts.
Alle Hotels – nicht nur die in China – hatten ihre Abläufe so eingerichtet, dass zwischen Auschecken (gegen 12 Uhr) und Einchecken zwei, drei Stunden lagen, in denen die Zimmer hergerichtet wurden.
Eine Hotelkette in China macht nun mit diesen Regeln Schluss und erlaubt ein Einchecken rund um die Uhr. Die Kette heißt in Kurzform Qinzhu und in voller Länge Shenzhen Qinzhu Culture and Tourism Hotel Group. Damit ist auch klar, wo die Kette ihren Sitz hat – in Shenzhen. Dort, aber auch in den Städten Chongqing, Guiyang sowie Xi´an betreibt die Kette insgesamt 40 Hotels unter den drei Markennamen Yu Zhu Hotels, Qin Zhu Hotels und Bang Ci Hotels. In einem Gespräch mit 36kr erklärt Wen Xin, der Chief Operating Officer (COO) der Gruppe, warum sich das Unternehmen zu diesem Schritt entschlossen hat. Man wolle damit auf die Wünsche der Reisenden eingehen, die öfter nach 12 Uhr noch ein paar Stunden bleiben wollen, weil zum Beispiel Bahn oder Flugzeug erst am Nachmittag abfahren bzw. abheben. Zudem checken viele Gäste erst (spät) abends ein und müssen dann schon am nächsten Vormittag nach 12 bis 16 Stunden das Zimmer wieder verlassen. Deshalb wolle nun die Hotelgruppe einen 24-Stunden-Aufenthalt anbieten – egal, wann der Gast eincheckt. Wen Xin erklärt aber auch, dass diese neue Regel nicht für alle Zimmer gilt. Und auch nicht für alle Hotels der Gruppe. „Das Management der Gruppe wird die Hotels nicht zwingen, eine bestimmte Zahl ihrer Zimmer für diese Regelung zu öffnen.“ Er geht davon aus, dass an gut laufenden Standorten für nur fünf bis zehn Prozent der Zimmer die 24-Stunden-Regel gelten wird, bei eher schlecht laufenden Standorten hingegen bei 30 bis 40 Prozent.
Wen Xin betont, dass diese neue Regelung nicht zu höheren Zimmerpreisen führen werde. Nur in der Hochsaison kann er sich moderate Erhöhungen vorstellen, um die Überstunden der Reinigungskräfte zu decken. Die Konkurrenz sieht das mehrheitlich anders. Für sie ist die 12-Uhr-Lösung eine optimale Lösung, die sich über Jahrzehnte hinweg entwickelt habe. Der Schichtplan der Reinigungsteams sei darauf ausgerichtet. Eine 24-Stunden-Regelung wie sie Qinzhu eingeführt hat, würde diese Pläne durcheinanderbringen und zu höheren Personalkosten führen. In der chinesischen Hotelbranche wird deshalb dieser Vorstoß von Qinzhu als ein gefährliches Signal betrachtet und lediglich als PR-Gag abgetan. Bei Hotelgästen dagegen stößt diese neue flexible Regelung auf Gegenliebe. In den sozialen Medien Chinas schreibt ein Befürworter: „Ich schlage vor, dass alle Hotels dieses System einführen.“
Man darf gespannt sein, ob dieses Modell Nachahmer findet – in China und im Rest der Welt.