POLITIK I Pazifik statt Indo-Pazifik – nur eine Namensänderung oder mehr?

Es war eine dürre Mitteilung, die das US-Verteidigungsministerium (neuerdings: Departement of War) am 16. Juni per soziale Medien verschickte: Das Indo-Pazifik Kommando werde künftig wieder Pazifik-Kommando heißen. Oder in Englisch: Aus dem „U.S. Indo-Pacific Command“ wird wieder „U.S. Pacific Command“. Oder in militärische Kurzform: USPACOM statt INDOPACOM.

Begründet wurde dieser Schritt am selben Tag in einer kurzen Pressemitteilung des Pazifik-Kommandos. Darin stand: „Restoring the legacy USPACOM designation honors the command’s deep historical roots, fostering a sense of bride and collective spirit among all who serve in the Pacific.” Gleichzeitig wurde betont (oder beschwichtigt), dass diese Namensänderung nichts am Einsatzgebiet der amerikanischen Streitkräfte ändern werde. Dieses reiche auch weiterhin von der Westküste der USA bis an die Westgrenzen Indiens. Weiter heißt es: „The command´s fundamental mission and its unwavering commitment to maintaining a free and open theater alongside regional allies and partners are unchanged.”

Wie ist diese Namensänderung zu bewerten? Als lediglich semantische Reminiszenz oder als ein strategischer Schwenk? Widmen sich die USA nun wieder verstärkt dem Pazifik und damit dem Rivalen China?

Bevor es diese Frage zu klären gilt, ein kurzer Blick in die Geschichte des pazifischen Kommandos der US-Streitkräfte.

Das USPACOM wurde zum Jahresbeginn 1947 vom damaligen Präsidenten Harry Truman geschaffen. Es war auf Hawaii im Pazifische Ozean stationiert und hatte sich einen legendären Ruf in den Kriegen um Korea und Vietnam erworben.  Die Pazifische Flotte war – wenn man so will – das Flagship der US-Marine.

Im Mai 2018, also in der ersten Trump-Amtszeit, wurde aus dem USPACOM das INDOPACOM. Den Namenswechsel verkündete der damals amtierende Verteidigungsminister James Mattis bei einer Zeremonie auf der Joint Base Pearl Harbour-Hickam auf Haiwaii. Mattis begründete diesen Schritt so: „In recognition of the increasing connectivity between the Indian and pacific oceans, today we rename the U. S. Pacific Command to U. S. Indo-Pacific Command.” Der Namenswechsel fand zu einer Zeit statt, in der der Begriff Indo-Pazifik in politischen Kreisen salonfähig wurde. Viele, auch europäische Regierungen,  sprachen nicht mehr von der Region Asien-Pazifik, sondern von der indo-pazifischen Region. So veröffentlichte zum Beispiel die Bundesregierung 2020 ihre „Leitlinien zum Indo-Pazifik“.

Die alte Bezeichnung bezog sich auf den pazifischen Teil Asiens, also Nord- und Südostasien. Mit dem neuen Begriff wurde auch Südasien miteinbezogen. Diese Erweiterung hatte auch eine politisch-strategische Dimension: Aus Sicht der USA ging es um die Eindämmung Chinas, wozu man auch Indien benötigte. Und sie war auch eine Antwort auf die chinesische Seidenstraßen-Initiative (Belt-and-Road), durch die sich Chinas Einfluss immer weiter Richtung Südasien ausdehnte. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an Chinas Engagements in den strategischen Häfen Hambantota (Sri Lanka) und Gwadar (Pakistan). Mit der Hinwendung zum Indo-Pazifik war vor allem eine Aufwertung Indiens verbunden. Die USA wollten Indien stärker an sich binden. Deshalb auch die Wiederbelebung des sogenannten Quads in der ersten Amtszeit von Trump. Der Quadrilateral Security Dialogue – so die Langform von Quad – war eine vom damaligen japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe 2007 eingeführte Idee der Zusammenarbeit, die dann 2017 von den vier Staaten Japan, Australien, den USA und Indien formal beschlossen wurde. In der Folgezeit versuchten die USA sowohl unter Trump 1.0 als auch unter Joe Biden eine Annäherung an Indien. Doch unter Trump 2.0 verschlechterten sich die Beziehungen zu Indien. Es herrschte in Washington eine gewisse Unzufriedenheit, weil Indien sich der Aufwertung des Quads zu einer militärischen Allianz widersetzte. Den Tiefpunkt erreichten die Beziehungen dann, als Trump 2025 absurd hohen Zölle auf indische Produkte verkündete.

Im Gegensatz zu seiner ersten Amtszeit betrachtet Trump Indien offenbar nicht mehr als Gegengewicht zu China. Deshalb auch die Umbenennung der amerikanischen Streitkräfte, die – zufällig oder nicht – am Tage des G7-Gipfels in Evian verkündet wurde, wo Trump auch Modi traf, den er vorher über diesen Schritt nicht informiert hatte. 

Vor allem in Indien wird der Schwenk heftig diskutiert. Viele Kommentatoren sehen darin nicht nur einen Namenswechsel, sondern auch eine strategische Neuorientierung der USA. So schreiben die Indian Defence News (21. Juni): „This is not a bureaucratic tidying but a recalibaration of positions.” Das Indo-Pazifik-Konzept sei zu ambitiös gewesen. Die Umbenennung würde nun das Kapitel der „romanticised Indo-Pacific solidarity“ schließen. Indien müsse sich auf seine eigenen Kräfte besinnen – auch und gerade gegenüber China: „India must manage ist multi-front friction with Beijing – on land, in the Himalayas, and in the Indian Ocean – through its own tools.“ Viele Beobachter sehen in der US-Neupositionierung auch ein mögliches Ende des Quads. Der berühmte indische Autor und Parlamentsabgeordnete Shashi Tharoor fragt rhetorisch, ob dies „one more nail in the coffin of the Quad“ sei.

Und was bedeutet das alles für China? FAZ-Korrespondent Till Fähnders spekuliert: ”Letztlich könnte die Namensänderung darauf hinweisen, dass die USA sich für einen Konflikt mit China positionieren, der sich geographisch auf Ostasien und dort insbesondere auf Taiwan konzentriern würde.“

Info:

Hier die Mitteilung des USPACOM vom 16. Juni: https://www.pacom.mil/Media/Press-Releases-and-Readouts/Article/4519249/department-of-war-restores-us-pacific-command-designation/

Artikel in Indian Defence News: https://www.indiandefensenews.in/2026/06/uspacom-reversion-signals-strategic.html

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