Vom 4. bis 7. Januar weilte Südkoreas Präsident Lee Jae-myung zu einem Staatsbesuch in China, zwei Tage in Beijing, zwei Tage in Shanghai. Rund 200 Wirtschaftsvertreter begleiteten ihn, darunter die Bosse von Samsung Electronics, SK und Hyundai.
Es war der erste Staatsbesuch eines südkoreanischen Präsidenten seit 2017. Damals erlaubte Seoul den USA, in Südkorea Raketenabwehrsysteme zu stationieren. Danach folgte eine Eiszeit in den Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten. Lees konservativer Vorgänger Yoon Suk-yeol orientierte sich mehr Richtung USA. Lee betrachtet zwar die USA weiterhin als wichtigen Partner des Landes, will aber auch eine Annäherung an China. In einem Interview mit Chinas Staatssender CCTV sagte Lee vor seiner Reise, dass die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den USA „unvermeidbare Realität“ sei, aber die Beziehungen mit Beijing sich nicht Richtung Konfrontation entwickeln sollten. In dem Interview plädierter er auch für häufigeren Austausch der Spitzen beider Länder.
Bereits beim APEC-Gipfel im koreanischen Busan hatte er sich mit Xi Jinping getroffen. Lees Besuch in China fand in entspannter Atmosphäre statt. Man unterschrieb – wie bei solchen Anlässen üblich – mehrere (hier 15) Abkommen über wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit. Nach dem Staatsbankett in der Großen Halle des Volkes zückte Lee ein Handy und machte mit seinem Xiaomi-Handy, das ihm Xi bei seinem ersten Treffen geschenkt hatte, ein Selfie mit Xi Jinping und dessen Frau. Xi Jinping erinnerte – und das war für Beobachter ungewöhnlich – an das gemeinsame Leiden der beiden Völker im Zweiten Weltkrieg: „More than 80 years ago, China and South Korea made tremendous national sacrifices and won the victory against Japanese militarism.”
China hofiert also Südkorea, während es Japan, den anderen ostasiatischen Nachbarn, weiterhin sanktioniert. Auslöser war eine Aussage der relativ neuen japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi im November vergangenen Jahres. Damals sagte sie sinngemäß, dass Japans Streitkräfte im Falle eines chinesischen Angriffs auf Taiwan dem Inselstaat zu Hilfe kämen. Es folgte ein Sturm der Entrüstung in China, der bis heute anhält. Chinesische Touristen stornierten ihre Reisen nach Japan. Chinas Airlines strichen viele Verbindungen zwischen beiden Ländern. Einfuhren von Meeresfrüchten wurden beschränkt. Und es gab jede Menge Sanktionen. Zuletzt verkündete das chinesische Handelsministerium am 6. Januar folgendes Announcement No. 1: „All dual-use items are prohibited from being exported to Japan for military end users, military purposes, or any other use, that may contribute to enhancing Japan’s military capabilities.” Die Liste dieser Dual-Use-Güter, die man sowohl für militärische als auch zivile Zwecke verwenden kann, umfasst rund 800 Positionen. Am gleichen Tag wurden chinesische Pläne bekannt, die Ausfuhr weiterer Seltener Erden nach Japan zu beschränken.
Ist die unterschiedliche Behandlung der beiden Staaten Japan und Südkorea eine Taktik Chinas, um diese beiden Länder auseinanderzudividieren? Das fragen sich einige Beobachter – wie zum Beispiel Jeremy Chan (Eurasia Group), den die FAZ so zitiert: „Beijing versucht eindeutig einen Keil zwischen Korea und Japan zu treiben.“ Sollte das wirklich Beijings Absicht sein, so hat diese Strategie am 13. Januar einen Dämpfer bekommen. An jenem Tag trafen sich die beiden Regierungschefs Lee Jae-myung und Sanae Takaichi zu einem Gipfeltreffen in Nara, der Heimatstadt von Takaichi. Dort bekundeten beide, die Zusammenarbeit zwischen ihren Ländern zu vertiefen. Demonstrativ traten sie als Trommler auf und hauten im Gleichklang zu Liedern der koreanischen Boygroup BTS auf die Pauke.