Matcha erlebt seit Jahren einen globalen Boom. Der gemahlene grüne Tee findet sich in Getränken, Backwaren, Eiscremes und Joghurts. Bis vor kurzem war Japan Hauptlieferant, nun ist es China, wo einst der Matcha erfunden wurde.
Matcha – gemahlener grüner Tee – ist in (fast) aller Munde. Das ist wortwörtlich gemeint, aber auch im übertragenen Sinne. Matcha wird mit Getränken gemixt, steckt in Eiskremes, Backwaren und vielen anderen Lebensmitteln wie Joghurts oder Schokolade. Weltberühmt ist inzwischen Matcha Latte, eine Kombination aus Milch und Matcha, die von der amerikanischen Kaffeekette Starbucks zu Beginn der 2000er Jahre entwickelt wurde und mit einiger Verspätung auch Europa erreichte. Inzwischen ist auch dort Matcha mit seiner intensiven grünen Farbe und dem lieblich-süßen Geschmack fast ein Kultprodukt geworden – insbesondere bei der gesundheitsbewussten Generation Z. In den USA, aber auch zunehmend in Europa wird Macha Latte als Alternative zum Kaffee gehandelt. So behauptet Marco Sinram, Matcha-Experte beim europäischen Tee-Lobbyverband THIE, dass Matcha Latte das erste Produkt sei, das den Kaffee herausfordere.
Was ist Matcha, und woher kommt er? Matcha ist eine grüne Teesorte, deren getrocknete Blätter in Steinmühlen zu feinem Pulver gemahlen werden. Viele glauben, dass Matcha aus Japan stammt. Doch Rebecca Corbett, Tee-Expertin und Japanologin an der University of Southern California, klärt auf: “While matcha is most closely associated with Japanese culture and its role in chanoyu (Japanese tea ceremony), it did not originate in Japan.” Nein, er stammt aus dem alten China. In buddhistischen Klöstern soll dort irgendwann im 7. oder 8. Jahrhundert die aufwändige Zubereitungsart entwickelt worden sein. Mit buddhistischen Mönchen kam Matcha dann später nach Japan. Manche behaupten, dass der Mönch Yosai gegen Ende des 12. Jahrhunderts der Überbinger war. Corbett bestreitet das. Aber egal, im Laufe der nächsten Jahrhunderte wurde der Matcha in Japan zu einem edlen Teegetränk, während er in China eher in die Vergessenheit geriet.
Doch dies ändert sich nun mit der globalen Verbreitung des Matcha. Die Nachfrage nach Matcha steigt weltweit. Weil er inzwischen mehr ist als nur ein Getränk. Es ist ein fester Bestandteil vieler Lebensmittel. Vor allem zwei Länder beherrschen den Weltmarkt: Japan und China. Bislang war Japan der größte Produzent von Matcha, aber im vergangenen Jahr wurde es erstmals bei der Produktion von China überholt. The Economist spricht bereits von „green tea wars“ zwischen den beiden Nationen, bei denen Japan immer mehr auf die Verliererseite gerät. Warum? „Its tea industry is in surprising poor shape, beset by ageing farmers, labour shortages and competition from China”, schreibt The Economist. All diese Sorgen hat China nicht und baut deshalb angesichts der weltweit steigenden Nachfrage die Produktion aus. Vor allem in der Provinz Guizhou entstanden und entstehen immer mehr Teeplantagen. Warum Guizhou? Weil es das ideale Klima und die entsprechenden Böden hat. Zentrum ist die Stadt Tongren im Nordosten der Provinz. Aber auch in Jiangkou im Südwesten von Guizhou wird seit 2017 massiv Matcha angepflanzt. Noch hat bei hochwertigen Matcha-Sorten Japan die Nase vorn, aber China holt auf. Das räumt auch die japanische Konkurrenz ein. So sagt Yoriyuki Nakamura, Direktor des Tea Science Center Shizuoka, dass sich die Qualität chinesischer Matchas in nur wenigen Jahren deutlich verbessert habe.
Rebecca Corbett kommt in ihrem Beitrag zu folgendem Schluss: „For China, from where matcha originated, the global boom has given it the opportunity to proclaim itself as the originator of matcha and develop a matcha industry.”
Info:
Hier der umfangreiche und lesenswerte Artikel von Rebecca Corbett: https://www.educationaboutasia.org/article/id/1868/