POLITIK I Aus gegebenem Anlass: China und die Arktis

Donald Trump will Grönland haben und plötzlich rückt eine Region dieser Erde ins Rampenlicht, die bislang kaum beachtet wurde: die Arktis. Trump begründet seinen Anspruch auf die Insel im ewigen Eis unter anderem mit den Aktivitäten Russlands und Chinas in der Region. Trump sieht „überall russische und chinesische Schiffe, Kriegssschiffe“, die rund um Grönland patrouillieren und damit eine Sicherheitsgefahr für die USA seien. Dies ist – wie so vieles bei Trump – eine Lüge. Dänemarks Außenminister Lars Lokke Rasmussen sagt, dass man seit rund zehn Jahren in dem Gebiet rund um Grönland kein chinesisches Kriegsschiff gesehen habe: „Es gibt dort keine chinesische Bedrohung.“

Das heißt freilich nicht, dass China keine Ambitionen in der Arktis hat. „Over the past few decades China‘s interest in the Arctic has increased”, stellt Pavel Devyatkin in seinem Einführungsartikel in den 2025 China Series von The Arctic Institute – einem Thinktank in Washington – fest. Er verweist auf die 1996 erfolgte Teilnahme Chinas am International Arctic Science Committee, die Expeditionen des chinesischen Eisbrechers Xue Long und die 2004 etablierte Yellow River Station auf Spitzbergen, das zu Norwegen gehört. Ein bedeutender Schritt erfolgte dann 2013, als China den Beobachter-Status beim Arctic Council bekam. Dieser Organisation gehören acht Anrainer-Staaten an. Sieben der acht Staaten sind NATO-Mitglieder: Kanada, die USA und die fünf nordeuropäischen Länder Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden. Einziges Nicht-NATO-Mitglied ist Russland. China ist kein Anrainer-Staat, sieht sich aber als einen „Near-Arctic State“. Im selben Jahr, in dem China den Beobachter-Status bekam, verkündete Xi Jinping – Zufall oder nicht – die Belt-and-Road-Initiative (BRI), oft auch als Seidenstraßen-Initiative bezeichnet. Aber letztere Bezeichnung ist irreführend, denn die BRI ist mehr als nur eine Landverbindung zwischen China und Europa via Zentralasien. Die BRI umfasst nämlich drei Korridore. Erstens den eben erwähnten Land-Korridor via Zentralasien, zweitens die Seeroute durch den Indo-Pazifik und drittens die Polar Silk Road durch das Nordmeer. Der Begriff der Polar Silk Road wird erstmals in dem 2018 veröffentlichten Arctic Policy White Paper der chinesischen Regierung erwähnt. China versteht sich als „major polar power“. Das sagte Xi Jinping schon 2014, kurz nachdem China den Beobachterstatus beim Arctic Council bekommen hatte.

Welche Taten folgten den Worten?

Chinesische Unternehmen zeigten Interesse an Infrastruktur- und Minenprojekten in der Arktis und speziell in Grönland. So wollte sich die China Communications Construction Company (CCCC) an den Flughäfen in Ilulissat und Nuuk engagieren. Doch sie zog 2019 ihr Angebot zurück. Gleiches gilt für die Minen in Citronen, Isua und Wegener Halvoe, an denen chinesische Firmen Interesse hatten. Lediglich an der Kupfermine im Kvanefjeld hält eine chinesische Firma noch einen 12,5-Prozent-Anteil. Auch am norwegischen Hafen Kirkenes kam das chinesische Staatsunternehmen Cosco nicht zum Zuge. Michael Paul (Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP) schreibt in seinem Kommentar „China‘s Arctic Turn“: „Most Arctic states have rejected Chinese projects.“ Er kommt deshalb zu dem Schluss: „In reality, the current level of Chinese investment in the Arctic is not very remarkable.”  Ein Urteil, das eine Studie des Belfer Centers an der Harvard Kennedy School (Juni 2025) bestätigt: „The scale and scope of actual Chinese investments are often exaggerated in media and public debate, and unsuccessful proposals are often taken into consideration when presenting the total amount of Chinese investment.”   

Während die westlichen Arktis-Staaten China in der Region zurückweisen, wird die Zusammenarbeit zwischen Russland und China enger. So heisst es in der Belfer-Studie: „Russia views China as a necessary economic partner to develop its Arctic.“ Auch Michael Paul schreibt, dass die Kooperation zwischen China und Russland in der Arktis immer wichtiger werde. Es würden sich dort „an emerging world power with the largest Arctic player“ verbinden.

Info:

Die Studie „Cutting Through Narratives in Chinese Arctic Investments” des Belfer Center an der Harvard Kennedy School: https://www.belfercenter.org/research-analysis/china-arctic-investments

Der Comment von Michael Paul „China’s Arctic Turn”: https://www.swp-berlin.org/10.18449/2025C08/

Hier die 2025 China Series des Arctic Institute: https://www.thearcticinstitute.org/the-arctic-institute-2025-china-series-an-introduction/

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