Die Provinz Yunnan im Süden des Landes ist bekannt für ihre Pilz-Vielfalt. In keiner Region des Landes gibt es so viele wohlschmeckende Pilze wie in Yunnan. In der Provinz-Hauptstadt Kunming gibt es in der Pilzsaison von Juni bis August viele Pilzmärkte. Auf dem größten werden über 200 verschiedene Pilzsorten angeboten. Rund 40 Prozent der weltweit bekannten wilden Pilze wachsen in dem subtropisches Klima von Yunnan. Durch einen Artikel, der soeben auf der BBC-Homepage erschienen ist, bin ich auf eine Pilzsorte Yunnans aufmerksam geworden, die einmalige Nebenwirkungen hat. Die Rede ist von der Pilzsorte Lanmaoa asiatica oder chinesisch jian shou qing (xy手青), was man mit „wird blau in der Hand“ übersetzen kann. Wenn man den Pilz berührt, wechselt er chamäleonartig die Farbe. Aber nicht deswegen ist dieser Pilz berühmt geworden. Nein, er hat eine andere Eigenschaft: Kocht man ihn nicht lange genug, erzeugt er Halluzinationen. Plötzlich sehen die Genießer dieses wohlschmeckenden Pilzes kleine grüne Männchen (xiao ren ren, 小 人 人), die unter dem Türspalt ins Zimmer spazieren, Tische und Wände hochkrabbeln. Ein Professor aus Yunnan berichtet, dass er Hunderte von xiao ren ren gesehen habe, die wie Soldaten marschiert seien. Jedes Jahr während der Pilzsaison berichten Krankenhäuser in Yunnan von Patienten, die mit diesen Halluzinationen eingeliefert werden. Von diesem seltsamen Phänomen erfuhr in den USA ein gewisser Colin Domnauer, Biologie-Doktorand an der Utah University. Sein Mykologie-Professor berichtete ihm davon (die Pilzkunde heißt Mykologie). Domnauer fing an, sich für dieses Phänomen zu interessieren und zu forschen. Er entdeckte, dass es Pilze mit ähnlichen Nebenwirkungen auch auf den Philippinen (Sedesdem) und in Papua-Neuguinea (Nonda) gibt. Im Sommer 2023 reiste er nach Yunnan und fragte auf den Märkten nach dem Pilz, nach dessen Verzehr man kleine Männchen sieht. Die Verkäufer wussten sofort, welchen Pilz er meinte. Und Domnauer ging auch in Restaurants, um den Pilz zu essen. Er berichtet: „At a mushroom hot pot restaurant there, the server set a timer for 15 minutes and warned us, don´t eat until the timer goes off or you might see little people.” Er hielt sich an die 15 Minuten. Inzwischen ist Domnauer längst zurück in Utah. Im Gepäck hatte er jede Menge Lanmaoa asiatica, die er nun am Dentinger Lab des National History Museum of Utah untersucht. Noch hat er aber die Stoffe, die die Halluzinationen auslösen, nicht gefunden.
Info:
Hier der BBC-Bericht:
https://www.bbc.com/future/article/20260121-the-mysterious-mushroom-that-makes-you-see-tiny-people
Und hier ein aktueller Artikel von Colin Domnauer über den Stand der Forschung:
https://nhmu.utah.edu/articles/experts-explore-new-mushroom-which-causes-fairytale-hallucinations