CHINESISCHE DEBATTEN

Das ist eine neue Rubrik, die aufzeigen soll, dass auch in China diskutiert wird. Ja, es gibt rote Linien, die man nicht überschreiten sollte: zum Beispiel den Machtanspruch der Kommunistischen Partei in Frage stellen oder den großen Fährmann Xi Jinping kritisieren. Aber unterhalb der roten Linien finden Debatten unter Intellektuellen und Wissenschaftlern statt, die sich in Artikeln, Vorträgen oder auch Social-Media-Beiträgen zu Wort melden. Diese Stimmen finden jedoch in Deutschland kaum Gehör, weil sie – warum eigentlich? – von den Medien selten aufgegriffen werden. Manche werden jetzt fragen, müssen wir diese Stimmen überhaupt kennen? Ja, sollten wir. Denn nur, wenn man die Position der „Gegenseite“ kennt, kann man eine ernsthafte und zielführende Diskussion führen. Wenn man sie nicht kennt, verharrt man in seiner Welt der Vorurteile, was freilich für manche ein bequemer Platz zu sein scheint.  

Immerhin gibt es seit einigen Jahren ein paar Blogs und Newsletter, die sich zum Ziel gesetzt haben, diese chinesischen Debattenbeiträge und Diskussionen einer breiteren Öffentlichkeit im Westen zu vermitteln, indem sie die Texte ins Englische übersetzen. An erster Stelle dieser hilfreichen Vermittler ist Sinification zu nennen. Herausgegeben wird der Newsletter von Thomas des Garets Geddes, der Fellow am Royal United Services Institute (RUSI) in London ist. Er hat an der SOAS und in Oxford studiert, außerdem drei Jahre Chinesisch an der Yunnan Universität. Danach arbeitete er auch am Merics in Berlin. Ebenfalls Merics-Vergangenheit hat Jacob Mardell, Lead Analyst bei Sinification und Fellow am China-Global South Project (CGSP). Ein weiterer Mitarbeiter ist James Farquharson, der sich derzeit im dritten Jahr seines Master-Studium an der Peking University befindet. Der indische Sinologe Manoj Kewalramani gilt als weiterer wichtiger Helfer bei der Vermittlung chinesischer Texte. Der unermüdliche Kewalramani analysiert in seinem Blog Tracking People´s Daily jeden Morgen die Parteizeitung Tracking People´s Daily und liest dabei auch zwischen den Zeilen. Matthias Hackler, der als Mitarbeiter eines Europaparlamentariers arbeitet, übersetzt und veröffentlicht in seinem Blog Cross Purposes chinesische Quellen zu den chinesisch-europäischen Beziehungen. Interessant sind auch die beiden Newsletter Pekingnology und The East Is Read. Beide werden von dem sich unabhängig bezeichnenden Thinktank Center for China and Globalization (CCG) herausgeben. Der Kopf dahinter ist Zichen Wang, ein ehemaliger Journalist der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Bei East Is Read arbeitete auch Yuxuan Jia mit, die vorher unter anderem bei der Europäischen Handelskammer in China war. Sie schreibt: „I am convinced that this newsletter plays a crucial role on bridging the language barrier that often leaves these discussions unheared in Western policy circles.” Dieser Meinung schließe ich mich an und werde deshalb ab der kommenden Ausgabe unter dem Rubrum „Chinesische Debatten“ auf interessante Beiträge aus diesen eben genannten Quellen hinweisen und sie zum Teil kurz zusammenfassen.

Info:

Hier die Links zu den genannten Blogs und Newsletter:

Thomas des Garets des Geddes und  Sinification: https://www.sinification.org/

Manoj Kewalramani und Tracking People´s Daily: https://substack.com/@trackingpeoplesdaily

Matthias Hackler und Cross Purposes: https://crosspurposes.substack.com/

Zichen Wang und Pekingnology: https://www.pekingnology.com/

Zichen Wang sowie Yuxuan Jia und East Is Read: https://www.eastisread.com/

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