…Chinas entführte Töchter von Barbara Demick.
Das Buch handelt von einem dunklen Kapitel der jüngsten chinesischen Geschichte – der Ein-Kind-Politik, die 1979 eingeführt und 2016 abgeschafft wurde. Die amerikanische Journalistin Barbara Demick hat ein glänzend recherchiertes Buch über die vielen Schattenseiten dieser Ein-Kind-Politik geschrieben. Demick war von 2007 bis 2016 China-Korrespondentin der Los Angeles Times. In der Zeit stieß sie bei ihren Recherchen auf eine Familie in Hunan, die nach zwei Töchtern ein weibliches Zwillingspaar – Shuangjie und Fangfang – bekam. Während sie Shuangjie erfolgreich verstecken konnten, wurde ihnen Fangfang von der gefürchteten Behörde für Geburtenplanung gewaltsam weggenommen. Über ihren Verbleib bekamen sie keine Informationen. Barbara Demick begab sich aber auf die Suche und wurde nach akribischen Recherchen in einer texanischen Kleinstadt findig. Dort lebte Fangfang bei amerikanischen Adoptiveltern unter dem Namen Esther. Sie hatten die kleine Fangfang im Alter von eineinhalb Jahren aus einem Waisenhaus adoptiert. Sie wussten nicht, dass Fangfang gar kein Waisenkind war, denn die Geschichte und Herkunft vieler dieser zur Adoption freigegebenen Kinder waren gefälscht. 2009 konfrontierte Demick die Familie in Texas mit der Wahrheit. Sie war geschockt und bat Demick, nicht darüber zu schreiben. Demick hielt sich daran. Doch im Januar 2017 – Demick arbeitete und lebte inzwischen in New York – bekam sie einen Anruf der Familie, dass sowohl sie als auch Esther nun bereit wären, darüber zu reden. Demick stellte ihnen auch einen Kontakt zur chinesischen Familie her. Esther alias Fangfang kommunizierte zunächst per WeChat mit ihrer Zwillingsschwester. 2019 erfolgte dann das erste persönliche Treffen in Hunan. Demick bekam die Erlaubnis über den Fall zu schreiben. Heraus kam ein Buch, das aufwühlt, wütend macht und am Schluss doch noch etwas versöhnlich stimmt.
Info:
Barbara Demick: Chinas entführte Töchter, Droemer HC; 384 Seiten, 28 Euro (Hardcover), 22,99 Euro (E-Book).