Bislang konzentrierten sich chinesische Unternehmen bei Übernahmen im Ausland überwiegend auf Technologie-Firmen oder Unternehmen in den Branchen Auto und Maschinenbau. Im Bereich der Konsumgüter waren die chinesischen Aufkäufer hingegen wenig unterwegs, auch weil sie erst einmal mit dem riesigen heimischen Markt beschäftigt waren und dort eine Brand aufbauen mussten. Vielen chinesischen Konsumartiklern ist das inzwischen gelungen, so dass sie sich jetzt auch fit fühlen, auf dem globalen Markt zuzugreifen. Wir können also mit einer neuen Welle von Akquisitionen in den kommenden Monaten und Jahren rechnen – diesmal im Bereich der Konsumgüter. Zwei Deals – ein bereits vollzogener und ein geplanter – betreffen aktuell auch Deutschland. Zum einen ging die Muttergesellschaft von Mediamarkt-Saturn an den chinesischen E-Commerce-Konzern JD.com. Und zum anderen ist der deutsche Sportartikelhersteller Puma im Visier der beiden chinesischen Konkurrenten Anta und Li Ning.
Die Elektromärkte MediaMarkt-Saturn sind schon fast eine deutsche Institution. Sie waren lange Zeit im Besitz ihrer deutschen Gründerfamilien, ehe sie in die Hände des Metro-Konzerns gerieten. Und nun gehören sie den Chinesen, sofern
die Behörden und Regierungen zustimmen. (Das Bundeskartellamt hat schon sein Ja-Wort gegeben, das vom Bundeswirtschaftsministerium und diversen europäischen Regierungen stehen noch aus). Neuer Besitzer ist dann der chinesische Onlinehändler JD.com, hierzulande noch wenig bekannt, aber in China eine große Nummer.
Das Unternehmen wurde 2004 von Robin Liu in Beijing gegründet. JD steht für Jingdong, jing bedeutet Hauptstadt, dong Osten. JD.com gehört neben Alibaba und Pinduoduo zu den drei großen chinesischen E-Commerce-Unternehmen. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr knapp 160 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Mediamark-Saturn kam mit seinen über 1000 Märkten auf 23,1 Milliarden Euro Umsatz. JD.com ist in China bekannt für seine eigene, hochentwickelte Logistik-Infrastruktur. Von diesem Know-how wird sicherlich auch Mediamarkt-Saturn künftig profitieren. Während der Deal mit MediaMarkt-Saturn in den (Wirtschafts-)Medien relativ prominent begleitet wurde, blieb eine andere Aktivität von JD.com in Europa bislang eher unterbelichtet: JD.com will in Europa auch in den Online-Handel einsteigen – und zwar als Vollsortimenter unter dem Namen Joybuy. Derzeit laufen in diversen europäischen Ländern – Großbritannien, Frankreich, Benelux und Deutschland – erste Tests. In Deutschland wurde die JingDong Retail Germany GmbH mit Sitz in Buseck (bei Gießen) gegründet. Dort hat JD.com auch bereits ein Lager. In den Niederlanden und Polen entstehen große Distributionszentren. Man darf gespannt sein, ob und wie Joybuy den etablierten Platzhirschen – allen voran Amazon – Konkurrenz machen wird.
Während JD.com in Europa also schon eingestiegen ist, kämpfen zwei chinesische Firmen noch hierzulande um den Einstieg. Anta und Li Ning, die beiden großen Sportartikelhersteller Chinas, haben Interesse am deutschen Konkurrenten Puma, weltweit der ewige Dritte hinter den beiden weit enteilten Giganten Nike und Adidas. Jing Daily kommentiert: „Interest in acquiring Puma underscores how rapidly China’s sportswear industry is evolving from domestic expansion to international acquisition strategy.“ Anta hat bereits Berater angeheuert und mit möglichen Partnern im Bereich von Private Equity geredet. Li Ning hat schon bei Banken vorgefühlt, ob und wie sie eine mögliche Übernahme begleiten könnten. Warum Puma zum Verkauf steht, erklärt sich mit dem Schlingerkurs des Unternehmens zwischen Sport- und Mode in den vergangenen Jahren. In diesem Jahr sackte der Aktienkurs um über 50 Prozent ab. Großaktionär Artemis, hinter dem die französische Milliardärs-Familie Pinault steckt, ist wohl bereit zu verkaufen. Das Interesse von Anta an Puma scheint etwas größer zu sein als das von Li Ning. Anta hat auch bereits Erfahrung in Übernahmen. So hält Anta die Mehrheit an Amer Sports mit den Marken Wilson, Salomon und Arc‘teryx. Und in Deutschland gehört Anta bereits die Outdoormarke Jack Wolfskin.