TOURISMUS I Die Chinesen kommen wieder zurück

Die chinesischen Touristen reisen im kommenden Jahr wieder so viel wie vor Corona. „The return of Chinese outbound travel is accelerating rapidly“, schreibt der Berater Alexander Glos in seinem Linkedin-Beitrag “China Outbound Travel 2026: The New Era of Global Tourism”. Aber Glos, CEO des Beratungsunternehmens i2i-Group in Shanghai, schreibt auch, dass der chinesische Tourist des Jahres 2026 ein anderer sein wird als der von 2019. Er sieht „a new kind of outbound traveler“, der andere Motivationen habe, neue Reiseziele suche und ein verändertes Ausgabenverhalten zeige. Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten im Lande wollen 59 Prozent der befragten Chinesen im nächsten Jahr mindestens eine Auslandsreise unternehmen, 27 Prozent sogar zwei oder noch mehr. Und 64 Prozent wollen ihr Reisebudget erhöhen. Diese Zahlen stammen von der China Tourism Academy (CTA).

Wer ist der neue chinesische Traveler, den Glos ausfindig gemacht hat? Er hat laut Glos mehrere Attribute: „younger, more independent, more digital and far more segmented.” Als wichtigste Segmente nennt er die young explorers (25-35 Jahre alt, die family travelers, die quiet luxury & HNWIs (High Net Worth Income) und die Senioren. Alle Gruppen haben relativ hohe Reiseetats. Eine vierköpfige Familie gibt zum Beispiel auf ihrer Auslandsreise im Schnitt zwischen 15 000 und 25 000 Euro aus. Interessant ist, dass das Interesse am Shopping deutlich nachgelassen hat. Zwischen 35 und 45 Prozent des Etats werden für Hotels ausgeben, 20-25 Prozent fürs Essen und nur noch 15-20 Prozent für Einkäufe. Das heißt: Hotels und Restaurants sind die Profiteure des neuen chinesischen Reisebooms.

Und wer sind die Gewinner bei den Reisezielen? Der Nahe Osten. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist die Zahl der Besucher aus China im vergangenen Jahr um 150 Prozent gestiegen, in Saudi-Arabien gar um 265 Prozent. An dieser Region schätzen die Chinesen das warme Wetter, die Sicherheit, den Luxus, die lockeren Visabestimmungen und die guten Flugverbindungen. Alle drei Airlines der Region (Emirates, Etihad und Qatar Airways) haben ihre Verbindungen nach China ausgebaut. Und diese Fluggesellschaften dienen auch „as the primary bridge between China and Europe/Africa“, schreibt Glos.

Aber wie attraktiv ist Europa noch für chinesische Touristen? „Europe remains highly desirable“, sagt Glos, fügt aber gleich ein Aber dazu – und das sind die Visabestimmungen. Während China die meisten Europäer inzwischen visafrei einreisen lässt, gilt das umgekehrt nicht. Besonders Deutschland fällt bei der Visa-Erteilung unangenehm auf. So verwundert es auch nicht, wenn das Land bei den europäischen Top-Reisezielen der Chinesen nicht auftaucht. Stattdessen stehen dort Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland, Tschechien und Österreich. Neben diesen doch etablierten Reisezielen wagen sich die Chinesen auch immer mehr in etwas unbekanntere Gebiete. „Discovery Destinations“ nennt sie Glos. So zählen zu den Reisezielen mit den stärksten Wachstumsraten die Türkei, Marokko, Kenia, Kasachstan und Usbekistan sowie die Kaukasus-Staaten. 

Info:

Hier der Link zu dem Linkedin-Beitrag von Alexander Glos:

https://www.linkedin.com/pulse/china-outbound-travel-2026-new-era-global-tourism-alexander-glos-sahoc/

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