GESELLSCHAFT I Teure Kondome – mehr Kinder?

Ab dem 1. Januar 2026 werden in China Kondome und andere Verhütungsmittel teurer. Grund: Die Regierung hat beschlossen, dass ab Jahresbeginn diese Produkte nicht mehr von der 13-prozentigen Mehrwertsteuer befreit sind. Die Befreiung von der Mehrwertsteuer wurde 1993 eingeführt. Damals gab es noch die restriktive Ein-Kind-Politik. Durch günstige Kondome & Co. wollte die Regierung helfen, diese Politik in praxi umzusetzen. Aber nun sind andere Zeiten. Die Ein-Kind-Politik wurde 2016 aufgehoben. Inzwischen werden sogar drei Kinder propagiert. Grund für den Kurswechsel ist der anhaltende Bevölkerungsrückgang. Seit drei Jahren sinkt die chinesische Bevölkerung. Wenn der Trend anhält, prognostizierten die Vereinten Nationen, gibt es im Jahr 2100 nur noch eine Bevölkerung von 800 Millionen. Derzeit sind es noch 1,4 Milliarden Chinesinnen und Chinesen. Grund für diesen Rückgang sind die rapide sinkenden Geburtenzahlen. Im vergangenen Jahr 2024 wurden in China nur 9,54 Millionen Kinder geboren. Zum Vergleich: 2016 gab es knapp 20 Millionen Geburten. Die sinkenden Geburtenzahlen sind wiederum eine Folge der sinkenden Lust vieler jungen Chinesinnen und Chinesen zu heiraten. Die Zahl der Single-Haushalte steigt. Vor allem junge Frauen verspüren wenig Neigung zu heiraten, auch wenn der elterliche Druck nach wie vor da ist. Aber auch die Ehepaare halten sich beim Kinderwunsch zurück. Maximal ein Kind ist die Regel, zwei oder drei Kinder nach wie vor die Ausnahme. Kindererziehung ist in China teuer. Vor allem die Ausbildung kostet viel Geld . Das YuWa Population Research Institute hat errechnet, dass das Aufziehen eines Kindes bis zum 18. Lebensjahr im Schnitt 538 000 Yuan (knapp 65 000 Euro) kostet. In den Metropolen wie Beijing und Shanghai kann diese Summe bis auf eine Million Yuan steigen.

Die Regierung hat zumindest das Problem erkannt und versucht mit diversen Maßnahmen diesem Trend– weniger Heiraten, weniger Kinder – entgegenzuwirken. Eine dieser Maßnahmen ist nun die Verteuerung der Kondome. Aber ob das hilft? He Yafu, Demographie-Experte beim YuWa Institute, sagte gegenüber Bloomberg: „Removing the VAT (das englische Kürzel für Mehrwertsteuer) exemption is likely symbolic and unlikely to have much impact on the bigger picture.”

Die Regierungen – die zentrale und die lokalen – versuchen seit einigen Jahren durch diverse Maßnahmen die Geburtenrate zu erhöhen. Viele Städte und Provinzen zahlen inzwischen Prämien für Geburten. Die Zentralregierung hat im Juli 2025 zum ersten Mal eine Art Kindergeld beschlossen. Danach bekommen Familien jährlich 3600 Yuan vom Staat für jedes Kind – allerdings nur bis zum dritten Lebensjahr. Aber wie auch dieser Geldtransfer sind viele Maßnahmen zu gering und werden verpuffen. So auch die indirekte Verteuerung der Kondomem, die zudem einen negativen Nebeneffekt hat. Vor allem junge Menschen werden eventuell auf Kondome verzichten. Doch es sei gerade für diese Gruppe „really important to keep them accessible from a preventative perspective of STIs (sexually transmitted infections)”, sagt Daria Impiombato (Merics) gegenüber dem australischen TV-Sender ABC. Denn in China steigt die Zahl der jungen Menschen (16-24 Jahre), die an Geschlechtskrankheiten leiden und sterben.

Übrigens: Während für die Kondome keine Steuerbefreiung mehr gilt, sind die Dienstleistungen von Heiratsvermittlern  steuerfrei.   

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