ESSEN I Kann man Chinesisch Kochen durch Kochbücher lernen?

Jen Liu-Lin wuchs in Südkalifornien auf und ging 2000 als journalistische Freelancerin nach Beijing, wo sie unter anderem auch über chinesisches Essen und chinesische Restaurants schrieb und nebenbei eine Kochschule besuchte. Ihre kulinarischen Erlebnisse fasste sie 2008 in einem Buch zusammen “Serve the People – A stir-fried journey through China“. Es ist eher ein Reisebuch durch die chinesischen Küchen, kein Kochbuch, obwohl einige Rezepte abgedruckt sind. In der neuen Ausgabe von China Book Review (21. August) bezweifelt sie in dem Artikel „The Trouble with Chinese Cookbooks“ , dass man durch Kochbücher Chinesisch Kochen lernen kann. Sie stellt dabei einen interessanten Vergleich an, indem sie rhetorisch fragt: „Would we expect tai chi or gongfu masters to teach their art through books?“ Die Antwort ist natürlich Nein. „Why then, do we have an expectation that we can learn how to cook Chinese cuisine through cookbooks?“ Eine Antwort darauf weiß sie nicht. Sie wundert sich nur: “Books about Chinese food continue to be published, and they sell very well.”

Und dann gibt sie einen kurzen Exkurs über die Geschichte der Chinesisch-Kochbücher in englischer Sprache. Die ersten Kochbücher erschienen gegen Ende des 18. Jahrhunderts von den Ehefrauen christlicher Missionare. Aber es dauerte bis 1945, ehe „a truely authentic Chinese Cookbook“ erschien: „How to Eat and Cook in Chinese”. Geschrieben wurde es von Buwei Yang Chao. Sie lebte in China und New York, war eine der ersten Ärztinnen Chinas, aber auch eine passionierte Köchin. Jen Liu-Lin, die gerade eine Biographie über Buwei Yang Chao schreibt, urteilt über Chaos Buch: „detailed chapters explaining ingredients, equipment and methods are accented with sharp insights and humor.“ Weitere bekannte chinesische Autorinnen englischer Kochbücher waren Fu Pei-mei (sie wurde in der Mandschurei geboren, floh 1949 nach Taipeh, und schrieb über 30 Bücher), eine weitere war Joyce Chen, die ebenfalls 1949 floh, aber in die USA. Sie schrieb Kochbücher, eröffnete eine Serie von Restaurants und startete 1966 im öffentlichen Sender PBS mit der TV-Kochshow „Joyce Chen Cooks“. In den 80er Jahren folgten den Frauen die Männer. Zu nennen sind vor allem Martin Yan, Ken Hom und Ming Tsai. Sie alle schrieben Bücher und hatten eigene TV-Shows.

Die Bücher dieser genannten Damen und Herren prägten die chinesische Küche in den USA.

Von den heutigen Autorinnen lobt Jen Liu-Lin vor allem die Engländerin Fuchsia Dunlop, die in den 90er Jahren in Chengdu das Kochen lernte, und Clarissa Wei, die aus den USA nach Taiwan übersiedelte (die Bücher beider Autorinnen habe ich in CHINAHIRN schon vorgestellt). Neu hingegen – auch für mich – ist das Werk „The Woks of Life“, das 2022 erschienen ist. Der Titel des Buches wurde von der gleichnamigen Website übernommen, die von einer vierköpfigen chinesisch-amerikanischen Familie namens Leung gestaltet wird. Ich werde diese exzellente Seite in der nächsten Ausgabe vorstellen.

Info:

Hier der Artikel „The Trouble with Chinese Cookbooks“ in China Books Review: https://chinabooksreview.com/2025/08/21/chinese-cookbooks/

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