Editorial

Am 13. Januar wählt Taiwan einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament. Taiwan – ein Land, das knapp 24 Millionen Einwohner hat, irgendwo im Pazifik liegt und von der überwiegenden Staatengemeinschaft als Staat gar nicht anerkannt wird. Haben uns diese Wahlen trotzdem zu interessieren? Und ob. Taiwan ist nach der Ukraine und nach Israel/Palästina möglicherweise der nächste potentielle Konfliktherd. Ein Herd mit noch viel größerer Explosionsgefahr als die beiden Erstgenannten. Denn dort prallen die aktuellen Weltmächte China und USA aufeinander. China will Taiwan ins Riesenreich holen, die USA wollen das verhindern. Seit Jahren schwirren Gerüchte über einen möglichen militärischen Angriff auf Taiwan durch die Diskussion. Vor allem amerikanische Thinktanks und Militärs überbieten sich mit ihren Kriegsszenarien. Xi Jinping mag zwar die Rhetorik gegenüber Taiwan erhöht haben, aber wird er den Worten (militärische) Taten folgen lassen? Xi ist kein Hasardeur wie Wladimir Putin. Er weiß, welche schwerwiegenden Folgen ein Überfall auf Taiwan hätte – für China und die Weltwirtschaft. Für China hätte er eine nahezu weltweite Ächtung zur Folge. Es würden gegen das Land Sanktionen verhängt werden, die viel gravierender wären als die gegen Russland. Das viel stärker in die Weltwirtschaft integrierte China erlitte enorme wirtschaftliche Einbußen. Und weil Taiwan ein Fast-Monopol auf hochwertige Chips hat, würde im Falle eines Krieges durch das Ausbleiben des Chip-Nachschubs binnen weniger Tage die Weltwirtschaft und damit auch die chinesische Wirtschaft zusammenbrechen. Zudem wird ein Krieg um Taiwan kein lokaler oder regionaler Konflikt bleiben, da auch die USA – in welcher Form auch immer – involviert sein werden. Es besteht hohe Eskalationsgefahr – bis hin zu einem dritten Weltkrieg. Wegen all dieser finsteren Folgen glaube ich nicht, dass China Taiwan attackieren wird.

In der großen Hoffnung, dass die manchmal grausame und irrationale Realität mich dieses Jahr (und gerne auch die nächsten Jahre) nicht widerlegt, wünsche ich Ihnen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2024

Wolfgang Hirn

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