CHINAHIRN liest…

…China: neuer Hauptfeind des Westens? von Wolfgang Müller. Die Diskussion um China ist hierzulande ziemlich eintönig geworden. Die Politik, die sie beeinflussenden Berater und die sie begleitenden Medienunterscheiden sich in ihrer Einschätzung Chinas kaum noch: China ist aggressiv, will die regelbasierte Weltordnung ändern und bald Taiwan überfallen. Doch nun meldet sich aus dem linken Lager eine Stimme, die diese vermeintlichen Gewissheiten in Frage stellt: Wolfgang Müller hat bei der IG Metall Bayern gearbeitet und dort Siemens und die Autoindustrie betreut. Aber er ist kein lupenreiner Funktionär. Müller hat zuvor als Softwareentwickler bei einem US-Konzern gearbeitet, und er lebte zeitweise auch in Beijing. Seine zentrale These ist, dass es bei dem amerikanisch-chinesischen Konflikt nicht um Ideologie (Demokratie versus Autoritarismus) geht, sondern schlicht um Macht: „Die USA wollen ihre einzigartige politische und wirtschaftliche Vormachtstellung um keinen Preis aufgeben.“ Das wollten die US-Politiker nicht offen zugeben, deshalb würden sie versuchen, China als aggressive und imperiale Macht abzustempeln. Doch das mit vielen Problemen belastete China sei eine nach Innen ausgerichtete Großmacht, zu deren Werkzeugkasten weder militärische Interventionen noch „Regime Change“ gehörten. Deshalb glaubt Müller auch nicht an einen Angriff auf Taiwan: „Warum in aller Welt sollte sich China sehenden Auges in ein Kriegsabenteuer stürzen, bei dem es vielleicht militärisch, aber weltpolitisch und wirtschaftlich niemals gewinnen kann.“ Und im Übrigen stimme die These nicht, dass China immer aggressiver gegenüber Taiwan vorgehe: „Die Position in der Taiwan-Frage ist seit 1949 unverändert.“ Müller belebt mit seinen relativierenden und provozierenden Thesen die China-Diskussion hierzulande. Ich fürchte aber, dass diejenigen, die er attackiert, sich dieser Diskussion nicht stellen werden. Sollte ich mich täuschen, stelle ich hier gerne Platz für eine Replik zur Verfügung. 

Info:

Wolfgang Müller: China: neuer Hauptfeind des Westens? 152 Seiten, VSA Verlag, 14,80 Euro.

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