KULTUR I Der Schriftseller Ma Yuan und der Tod seines Sohnes

Ma Yuan(马原)ist – oder muss man sagen: war – einer der angesehensten Schriftsteller des Landes. Viele nennen ihn in einem Atemzug mit Yu Hua (余 华; „Brüder“; „Der Mann, der sein Blut verkaufte“) und Mo Yan (莫 言), der 2012 den Literaturnobelpreis bekommen hatte.  Der 1953 geborene Ma war Teil der sogenannten Avantgarde-Bewegung in den 80er Jahren. Er hat anfangs viel über Tibet geschrieben, wohin er viele Jahre gereist ist. Titel: „The Goddess of the River Llasa“ und „The Temptation of the Trans Himalaya“. 1988 zog er nach Shanghai, wo er lange Zeit an der Tongji Universität klassische Literatur und kreatives Schreiben lehrte. In der Zeit wurden auch seine Essay-Bände Liangge nanren (Two Men), Xuguo Zhi Dao (The Knife of Fabrication) und Yuedu Dashi (Reading the Masters) veröffentlicht. Dann wurde ein Tumor in seiner Lunge entdeckt. Er begab sich noch einen Monat in ein Krankenhaus, ehe er sich für eine Naturtherapie entschied. Er ging zunächst auf die Insel Hainan, badete dort in heißen Quellen und trank nur ein ganz bestimmtes Mineralwasser. Schließlich zog er sich in die Nannuo Berge in der Provinz Yunnan zurück, baute dort ein Haus, heiratete erneut und wurde Vater eines Sohnes. Er schrieb regelmäßig in den sozialen Medien aus den Bergen Yunnans. Doch im Mai 2022 verstummte er, um einen Monat später mitzuteilen, dass am 1. Juni sein 13jähriger Sohn gestorben sei. Ihm wurde zunächst viel Mitleid zuteil. Doch dieses schlug nach einer Veröffentlichung im investigativen Magazin „Renwu“ (21. März) in Hass um. Dort sprach er erstmals über den Tod seines Sohnes, der seit Geburt am Marfan-Syndrom, einer Bindegewebskrankheit, litt. Angeblich verweigerte der Vater seinem Sohn eine ärztliche Behandlung: „Medical procedures should stay away from the brain and the heart. These two parts of the body should remain intact“, zitiert “The China Project” aus dem Renwu-Bericht. Außerdem habe er seinen Sohn schon früh aus der Schule genommen: “Practical experience outweighs education.“ Ma Yuan glaubte wohl, das Leben in den Bergen reiche aus, um seinen kranken Sohn gesunden zu lassen. Darüber sei es auch zum Streit mit seiner Frau gekommen. Nach der Veröffentlichung in „Renwu“ brach ein Shitstorm über Ma Yuan herein. Er sei ein Mörder, ein Killer. Manche fordern, dass die Behörden gegen ihn ermitteln sollen.

Info:

Hier ist der Artikel in „Renwu“ (allerdings nur auf Chinesisch):

https://mp.weixin.qq.com/s/LUPFKUrqd3KWAk1eB2uGaQ

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