IWF und Weltbank halten gerade in Bangkok ihre Jahrestagung ab. Thema sind auch dort Chinas Exporte. Ein kurz zuvor veröffentlichtes Buch des IWF fordert von China ein neues Wachstumsmodell.
In diesen Tagen treffen sich der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank zu ihrer traditionellen Jahrestagung – diesmal in Bangkok. Finanzminister und Notenbankchefs aus vielen Ländern werden anwesend sein. Rund 18 000 Delegierte aus 191 Ländern werden in der thailändischen Hauptstadt erwartet. Viele Themen stehen auf der Tagesordnung. Eines sind sicher auch die chinesischen Exporte, unter denen viele Nationen leiden. Dabei wird auch das chinesische Modell diskutiert werden, das Investitionen dem Konsum vorzieht. Der IWF galt bislang nicht als großer Kritiker Chinas. Umso überraschender ist deshalb eine Publikation, die der IWF Ende September veröffentlichte. Sie trägt schon im Titel eine klare Empfehlung: „Toward a new economic growth model for China“.
Die vier Autoren – darunter auch der Schweizer Thomas Helbling, stellvertretender Direktor der Asien-Pazifik-Abteilung des IWF – fordern darin nichts anderes als eine Abkehr vom bisherigen Modell, das vor allem Investitionen und Exporte förderte. Im Vorwort schreiben die vier Herausgeber: „Many of the factors that drove China’s remarkable ascent are reaching their limit.“ Besonders die Exporte haben sie dabei im Blick: “Exports cannot remain a major engine of growth“. Stattdessen fordern sie: „China must increasingly rely on domestic sources of demand.”
Aber die Steigerung der inländischen Nachfrage ist nur ein Punkt von vielen in der Reformagenda, die die Autoren aufgestellt haben: „China will need an ambitious and multi-prolonged reform agenda to ignite new growth engines while containing vulnerabilities.” Sie verweisen auf die 80er und 90er Jahre, in denen wichtige und weitreichende Reformen getätigt wurden.
Konkret fordern die Autoren fünf Strukturreformen:
- „Rebalancing the economy toward consumption”. Dies soll unter anderem durch den Ausbau des sozialen Netzes und einer progressiven Besteuerung geschehen.
- „Unleash services as an engine of growth”. Der Dienstleistungssektor sei nach wie vor im Vergleich zu anderen Nationen auf diesem Niveau unterentwickelt.
- „Scaling back industrial policies“.
- „Reignite productivity growth by allowing greater role for market forces”.
- “Harnessing the green transition as a source of growth”.
Jedem dieser fünf Punkte wird ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem aufgelistet wird, welche Reformschritte zur Erreichung dieser Ziele unternommen werden sollten.
Neben diesen Strukturreformen wird auch eine Reform der Finanz- und Geldpolitik sowie des Insolvenzrechts gefordert.
Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des IWF-Papiers setzte sich Professor Zhang (stellvertretender Direktor des Institute of World Economics and Politics bei der Chinese Academy of Social Sciences) in der Zeitschrift Caijing vom 10. Oktober intensiv mit dem Papier auseinander. Ich werde auf seine Ausführungen in der kommenden Ausgabe eingehen.
Info:
Hier die IWF-Publikation „Toward a new economic growth model for China”: https://www.imf.org/-/media/files/publications/books/2026/english/tnegmea.pdf