Krieg im Nahen Osten. Auch die Golf-Staaten – darunter die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – sind inzwischen betroffen. In Dubai gab es eine Explosion im Fairmont The Palm Hotel, im Buriy Al Arab Hotel brach Feuer aus, der Flughafen wurde attackiert und geschlossen. Auch im 1oo Kilometer entfernten Abu Dhabi, der Hauptstadt der VAE, gab es Einschläge iranischer Geschosse.
Die VAE galten lange Zeit als sicherer Hafen für noble Yachten, aber vor allem für das Kapital reicher und stinkreicher Familien aus aller Welt, insbesondere aus Asien und dort vor allem aus China. „More and more wealthy Chinese migrants are moving, with their cash, to Dubai,” schrieb das britische Wirtschaftsblatt The Economist noch in seiner Ausgabe vom 16. Februar. Lange Zeit waren die beiden asiatischen Finanzzentren Hongkong und Singapur die beliebtesten Fluchtorte für die reichen Chinesen und ihr Kapital. Doch in den letzten Jahren hat sich das geändert. Aber es ist nicht nur die mondäne Glitzermetropole Dubai, sondern auch Abu Dhabi lockt chinesische Millionäre und Milliardäre an.
Dort fühlen sie sich mehr willkommen als in Singapur, das wählerischer ist als die Emirate am Golf: „Singapore wants the right profile of people, not just capital,“ schreibt die Financial Times. In den VAE erhält man relativ leicht ein Visum. Für ein Investment von bescheidenen zwei Millionen Dirham (das sind rund 545 000 $) bekommt man ein goldenes Visum, mit dem man fünf oder zehn Jahr im Land bleiben und leben kann. Allein 2023 – neuere Zahlen liegen nicht vor – hat Dubai 158 000 solcher Visa ausgegeben. Wie viele davon für Chinesen ausgestellt wurden, lässt sich nur schätzen, da die VAE-Behörden keine Angaben über die Nationalitäten der Visa-Empfänger machen. Nach chinesischen Schätzungen leben rund 370 00o Chinesen in den VAE, sie sollen dort über 15 000 Firmen gegründet haben. Beide Zahlen haben sich seit 2019 verdoppelt. Es gibt inzwischen viele chinesische Top-Restaurants, mit Wemart einen chinesischen Supermarkt, eine chinesische Schule und gar ein chinesisches Krankenhaus.
Die Emirate haben aber noch einige andere Vorteile: Es scheint meist die Sonne, auch wenn sie im Sommer gnadenlos vom Himmel brennt. Es gibt weder Einkommens- noch Kapitalsteuern. Und es ist ein sicherer Platz bzw. war es – bis zum Ausbruch des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran.
Was bedeutet das nun für die reichen und superreichen Chinesen und andere Asiaten? Geht es wieder zurück nach Hongkong und Singapur? Die großen Nachrichtenagenturen haben sich umgehört. Reuters titelt am 6. März: “Some Wealthy Asians look to Move Dubai Assets Closer to Home on Iran War Fears”. Bloomberg legte drei Tage später mit der Schlagzeile nach: “Asia´s Rich Having Second Thoughts on Dubai as War Rage”. Bloomberg zitiert Nick Xao, CEO des Hongkonger Family Office Annum Capital: “Some Asians are re-thinking their decisions and probably moving their money back to Hongkong or Singapore.”
Die Anbieter von Private-Jet-Flügen berichten von starker Nachfrage. Felix Lai, Partner des Family Office JMS Group in Hongkong, arrangierte zum Beispiel einen Flug für 15 seiner Klienten vom Oman nach Hongkong. Geld spielte keine Rolle. Der Flug kostete rund 300 000 Dollar.
Den Behörden in den VAE gefallen dieser Schlagzeilen nicht. Sie beschwichtigen. Es sei alles unter Kontrolle, vermelden sie. Zentralbank-Governor Khaled Mohamed Balama sagt: „Banks operating normally and without disruption.” Besonders in Dubai ist man nervös. Denn: „Dubai’s economic model is based on expatriate residents providing the brains, brawn and investment capital,” sagt Jim Krane vom Baker Institute der Rice University.
Noch ist es zu früh von einem Exodus der reichen Asiaten zu sprechen. Entscheidend wird sein, wie lange der Krieg im Nahen Osten dauern wird.