POLITIK I AfD-Chef Tino Chrupalla war in China

Nur wenige im politischen Berlin wussten von der bevorstehenden Reise. Zwischen den Jahren ruhte ja auch dort der Betrieb. So ist am 5. Januar eine fünfköpfige Reisegruppe der AfD am Frankfurter Flughafen relativ unbeobachtet in einen Lufthansa-Jumbo nach Shanghai gestiegen. Das prominenteste Mitglied des Quintetts war Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der Partei. Ihn begleiteten der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion Enrico Komning sowie Mitarbeiter der Fraktion – und der Chefredakteur der Berliner Zeitung Philippe Debionne (die Zeitung legt Wert auf die Feststellung, dass die Reise selbst bezahlt wurde). Debionne ist es zu verdanken, dass wir mehr über diese China-Reise von Chrupalla & Co wissen. Für den Parteichef war es nicht die erste Reise nach China, aber seine erste als Parteichef. Eigentlich gilt ja seine Co-Chefin Alice Weidel als China-Expertin, war sie doch mehrere Jahre in China und promovierte auch über ein China-relevantes Thema. Sie hat sich aber in den vergangenen Monaten mehr um die Beziehungen zu den USA bemüht, wo ein der Partei wohlgesonnener Präsident regiert.

Chrupalla will offenbar mit der Reise mehr außenpolitisches Profil gewinnen. China sei „einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschlands und Europas“, sagte er.  Deshalb stehe völlig außer Frage, dass die AfD die Kontakte mit China auf politischer und wirtschaftlicher Ebene ausbauen werde.

So traf die kleine Delegation in Shanghai, Beijing und Hongkong auf politische und wirtschaftliche Gesprächspartner. In der Hauptstadt empfing sie Ma Hui, Vizeminister der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KP. Der sagte laut Berliner Zeitung: „Oppositionsparteien von heute können die Regierungsparteien von morgen sein, daher redet China mit allen Parteien.“  In Hongkong trafen die AfD-Politiker mit dem Minister für Handel und wirtschaftliche Entwicklung, Algernon Yau, zusammen. Chrupalla: „Dass wir von chinesischer Seite dermaßen respektvoll empfangen und behandelt worden sind, freut mich natürlich schon.“ Komning lobte: „Ich war wirklich positiv überrascht, wie offen, pragmatisch und natürlich uns die chinesischen Regierungs – und Parteivertreter begegnet sind.“ 

Nicht ganz so offen waren offenbar die Gespräche mit den deutschen Wirtschaftsvertretern. Diese wollten lieber nicht genannt

werden. Aber – so hört man – der Chef der Auslandshandelskammer in Shanghai, Maximilian Butek, soll mit der AfD-Delegation geredet haben. Auch der Generalkonsul in Shanghai, Norbert Riedel, hat sie wohl empfangen. Bei den Gesprächen mit den Wirtschaftsvertretern habe Chrupalla gesagt: „Wir brauchen den chinesischen Markt, sonst haben wir ein großes Problem in der deutschen Wirtschaft.“ Komning ergänzt: „Die Chinesen gebrauchen uns umgedreht leider nicht zwingend.“ Nach fünf Tagen voller Gesprächen und Sightseeing flog die Delegation wieder zurück nach Berlin, von wo aus sich Tino Chrupalla artig bedankte. Auf X schrieb er: „Ich danke für die Unterstützung seitens des Auswärtigen Amtes und aller beteiligten Diplomaten.“ Ob die sich über diese Dankesworte gefreut haben, ist nicht bekannt.

Und just als ich diese Zeilen beende, wird eine weitere Reise eines AfD-Abgeordneten bekannt. Der Europaparlamentarier Petr Bystron soll nach Angaben des Portals t-online Mitte November zur „2025 Think Tank Annual Conference on Megacity Governance“ gereist sein. Der Business-Class-Flug und zwei Übernachtungen im Sheraton Lize Hotel sollen vom China Economic Information Service, einem Tochterunternehmen der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, bezahlt worden sein.

Info:

Hier der Bericht in der Berliner Zeitung (hinter Bezahlschranke): https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/chrupalla-in-china-die-afd-zu-besuch-im-reich-der-mitte-li.10013514

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