CHINESISCHE GESCHICHTE(N) I Wie der Tee von China nach Indien kam

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war China der weltgrößte Tee-Produzent. Die Engländer tranken gerne Tee und kauften ihn deshalb in China. Bezahlt haben sie den Tee erst mit Silber. Aber als die britischen Silbervorräte immer geringer wurden, bezahlten sie den Tee mit Opium, den sie in ihrer indischen Kolonie anbauten. Eine wichtige Rolle in dem Deal Tee gegen Opium spielte die East Indian Company (EIC), damals eine der größten Handelsgesellschaften der Welt. Sie kaufte immer mehr Tee in China und lieferte folglich immer mehr Opium nach China. Die Folge: Immer mehr Chinesen wurden opium-abhängig. Das gefiel wiederum dem Kaiser überhaupt nicht. Er ernannte Lin Zexu zu seinem Beauftragten, das Problem zu lösen. Lin Zexu schrieb zunächst einen Brief an die Königin Victoria, diesen Opiumhandel zu stoppen, bekam aber keine Antwort. Daraufhin begab sich Lin mit seinen Truppen persönlich nach Kanton, dem damals einzigen offenen Hafen für ausländische Schiffe. Er vernichtete die britischen Schiffe mit den Opiumladungen. Es kam zum ersten Opiumkrieg, den die Chinesen krachend verloren, weil sie der britischen Streitmacht deutlich unterlegen waren. Als Folge musste China unter anderem mehrere Häfen für ausländische Schiffe öffnen. Die Briten und die EIC dachten sich aber noch eine weitere Bosheit gegenüber China aus: Was wäre, wenn wir das chinesische Monopol bei Tee brechen? Sie wussten, dass im indischen Assam

auch Tee angebaut wurde, der aber viel zu bitter war.  Was aber, wenn man die indischen mit chinesischen Teepflanzen kreuzt? Dazu musste man aber erst einmal chinesische Teepflanzen aus dem Lande schmuggeln.

Und nun kommt ein gewisser Robert Fortune ins Spiel. Der 1812 geborene Schotte war erst Gärtner in den Botanischen Gärten Edinburghs, später dann arbeitete er bei der Royal Horticultural Society (RHS) in London. Dort entwickelte er sich zum Spezialisten für exotische Pflanzen. Zwischen 1844 und 1847 war er schon mal für die RHS drei Jahre in China, um dort seltene Pflanzen zu sammeln und nach England zu schicken. Darüber schrieb er auch ein Buch mit demTitel „Three Years Wanderings in the Northern Provinces of China“ (wobei er allerdings nie nördlich vom Jangtse war). 

Fortune war aufgrund seiner Erfahrung die erste Wahl für die EIC, um in China Teepflanzen zu klauen. Fortune nahm den gefährlichen Job an, kleidete sich wie ein Chinese, sprach ein seltsames Mandarin und erklärte den Chinesen, er sei von einer europäischen Minderheit im Nordwesten Chinas. So schlug er sich 1848 durch die Teeplantagen im Süden und Osten des Landes. Am Schluss hatte er rund 20 000 lebende Teepflanzen gesammelt, die er in kleinen Gewächshäusern für den Schiffstransport nach Indien präparierte. Mit den Pflanzen nahm er auch einige Teebauern aus China mit. Ihnen hatte er gesagt, dass sie in den Nordwesten Chinas fahren, wo er vermeintlich herkomme. Doch stattdessen fuhren sie nach Indien, nach Assam am Fuße des Himalayas. „The expedition was an enormous success“, schreibt der in Guangzhou lebende Sean Patterson in einem Blog der Royal Society für Asian Affairs (RSAA) mit dem Titel „Robert Fortune and the Great Tea Heist”. Von nun an bezogen die Briten ihren Tee aus ihrer indischen Kolonie. Der chinesische Tee-Export brach zusammen und brachte das Land in enorme wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Info:

Hier der Artikel „Robert Fortune and the Great Tea Heist“: https://rsaa.org.uk/blog/robert-fortune-and-the-great-tea-heist/

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