In der letzten Ausgabe schrieb ich über eine Rede, die Xu Yingtang gehalten hat, der Gründer des Fast-Fashion-Konzerns Shein. Bis dato war er nahezu ein Phantom. Er hielt nie Reden, gab nie Interviews, zeigte sich nicht in der Öffentlichkeit. Deshalb lobte ich das Coming Out des Chefs eines der weltweit größten Onlinehändler. Dieses Lob ziehe ich aber hiermit zurück, weil nach dem Bekanntwerden des Videos über seine Rede etwas passiert ist, was einem Journalisten – und nicht nur diesem – nicht gefallen darf: Das Unternehmen Shein versuchte mit allen Mitteln, die Berichte über diese Rede zu verhindern. Darüber berichtet der Newsletter Pekingnology unter der Überschrift „Shein muzzles Chinese media“ („muzzle“ heißt Maulkorb verhängen). Autor Zhang Wichen schreibt darin, dass nicht – wie viele zunächst vermuteten – die in Zensur geübten chinesischen Behörden hinter dem Einkassieren der Artikel und Web-Beiträge stünden, sondern die Shein-Konzernzentrale, die inzwischen in Singapur residiert. Sie habe massiven Druck auf Autoren und Internetplattformen ausgeübt, um die Beiträge vom Netz zu nehmen. Shein gilt als extrem zurückhaltendes Unternehmen, das nicht mit der Außenwelt kommuniziert. Dabei müsste der Konzern, der immer wieder wegen seiner Praktiken in der Kritik steht, viel mehr und nicht weniger kommunizieren.
Info:
Hier der Beitrag über Shein in Pekingnology: https://www.pekingnology.com/p/shein-muzzles-chinese-media