FLIEGEN I Mehr Direktflüge nach Asien

Der Krieg im Nahen Osten hat dramatische Konsequenzen für den Luftverkehr zwischen Europa und Asien. Zum einen sind dort Teile des Luftraums gesperrt und zum anderen bleiben viele Flugzeuge der Golf-Airlines Emirates (Dubai), Etihad (Abu Dhabi) und Qatar Airways (Doha) am Boden. Die drei letztgenannten Fluglinien haben in den vergangenen Jahren deutliche Marktanteile am Flugverkehr zwischen Asien und Europa gewonnen. Viele europäische Touristen und Geschäftsleute flogen via Abu Dhabi, Doha und Dubai Richtung Asien. Rund ein Drittel aller Passagier nach Asien und von Asien nach Europa flog über diese Drehscheiben in Nahost.

Weil diese aber nun aufgrund des Krieges nicht mehr angeflogen werden können, bleiben als Alternative nur Direktflüge aus Europa nach Asien. Davon profitieren natürlich die europäischen und asiatischen Airlines. Alle großen Fluglinien reagieren auf diese neue Situation mit zusätzlichen Kapazitäten – sei es durch mehr Flüge oder größere Flugzeuge. So bietet die Lufthansa 40 zusätzliche Flüge nach Singapur und Bangkok an. Aber auch ein zusätzlicher Flug (LH 2573) von München nach Hongkong wird angeboten. Auch Air France hat sein Angebot Richtung Asien ausgeweitet (unter anderen Zielen auch nach Shanghai). British Airways fliegt nun häufiger nach Bangkok und Singapur. Umgekehrt bieten die großen asiatischen Airlines wie Singapore Airlines, Cathay Pacific und Thai Airways mehr Flüge nach Europa an.

Allerdings haben all diese Flüge ihren Preis, nämlich einen höheren Preis. Ein Grund sind die höheren Kerosinpreise, ein anderer die Umwege, die die Flugzeuge aufgrund der Kriegssituation im Nahen Osten fliegen müssen. So bleiben auf dem Weg zwischen Europa und Asien nur noch zwei Korridore – ein nördlicher über die Osttürkei, Aserbeidschan und Afghanistan und ein südlicher über den saudischen Luftraum. Die Folgen: 10 bis 25 Prozent längere Flugstrecken, ein bis drei Stunden zusätzliche Flugzeiten und ein um zehn bis 20 Prozent höherer Kerosinverbrauch.

Umwege müssen auch die meisten Flugzeuge von Europa nach China fliegen, denn für alle westlichen und fast alle asiatischen Airlines ist der Luftraum über Russland gesperrt. Nur die chinesischen Airlines dürfen Russland überfliegen. Sie sind auch der große Gewinner. Ihr Marktanteil bei den chinesisch-europäischen Verbindungen beträgt inzwischen 83 Prozent. Die drei großen chinesischen Airlines (China Southern, China Eastern und Air China) haben die Zahl ihrer Verbindungen nach Europa in den vergangenen Jahren systematisch erhöht. China Southern bietet Verbindungen in 20 europäische Städte an. Demnächst kommt die Strecke Beijing Daxing – Helsinki hinzu. China Eastern fliegt von Shanghai nonstop in zwölf europäische Städte. Daneben hat China Eastern noch Verbindungen wie Nanjing-Paris, Wenzhou-Madrid, Wenzhou–Rom und Xi’an-Mailand im Programm. Demnächst kommen weitere Verbindungen hinzu. Ab dem 20. April fliegt China Eastern dreimal wöchentlich die Strecke Wien-Xi´an, ab dem 18. Juni ebenfalls dreimal wöchentlich die Strecke Zürich-Shanghai. Diese Strecke wird bislang nur von der Lufthansa-Tochter Swiss bedient. Ebenfalls im Juni wird von China Eastern wieder die Strecke Stockholm-Shanghai reaktiviert. Und auch Air China – der Marktführer zwischen China und Europa – plant neue Flüge: jeweils von Beijing Daxing nach Frankfurt (ab 28. April) und Mailand Malpensa (13. Juni).

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