POLITIK I Warum China dem Iran nicht hilft

China und der Iran galten in vielen westlichen Augen als Partner oder gar Alliierte. Manche warfen China mit dem Iran, Nordkorea und Russland in einen Topf und hefteten ihm das Etikett CRINK an – nach den Initialen der vier Staaten. Manche nennen die Vier auch die Achse der Autokraten. Wenn dem so ist, warum helfen die Chinesen dann dem Iran nicht im Krieg gegen die USA und Israel? Das fragen sich viele Beobachter im Westen.

Der amerikanische China-Experte Evan A. Feigenbaum (Carnegie) gibt dazu eine Antwort. Er stellt in seinem Kommentar das chinesische Engagement im Iran in einen größeren Zusammenhang. Er analysiert an diesem Beispiel grundsätzlich die chinesische Bündnispolitik. Die Überschrift über seinen Blog lautet deshalb: „Beijing doesn‘t think like Washington, and the Iran conflict shows why?“

Zwar werde in den USA, aber auch im restlichen Westen immer wieder vom Iran als Alliiertem gesprochen. Aber das sei falsch. Der Iran – und übrigens auch Venezuela – seien keine Alliierten im amerikanischen Sinne. „It was never the case that Beijing would treat Tehran, much less Caracas, the way that Washington treat Tokyo”, schreibt Feigenbaum. China gebe zwar Staaten wie dem Iran „hardware, lifelines and diplomatic support,“, aber es gehe keine Sicherheitspartnerschaften ein „with inherent and costly obligations.“  Zudem würde sich China in einer Region nie auf nur einen Staat stützen. Der Nahe Osten sei hierfür das beste Beispiel: China habe produktive Beziehungen zum Iran, aber auch zu Saudi-Arabien, den Vereinigen Arabischen Emiraten, Ägypten, der Türkei und teilweise auch zu Israel. So sieht es auch Fan Hong, Direktor der Nahostabteilung an der Shaoxing Universität. Gegenüber der FAZ sagte er: „China agiert im Nahen Osten opportunistisch – es geht um Geschäfte, nicht um weitreichende Bündnisse.“

Und bei Geschäften geht es im Falle Iran vor allem um Öl. Über 55 Prozent des chinesischen Öls kommen aus dem Nahen Osten, rund 13 Prozent aus dem Iran. „China’s interest in Iran is first and foremost about energy security”, schreibt Yun Sun in dem aktuellen Foreign-Affairs-Artikel „Why China Won’t Help Iran”. Die Leiterin der China-Abteilung im Stimson Center meint: „Beijing cares about the oil, not the regime.“  Zwar haben China und der Iran 2021 ein strategisches Kooperationsabkommen unterzeichnet, aber wenige Projekte seien bislang realisiert worden. Yun Sun kommentiert: „Beijing has become frustrated by Tehran’s inconsistency and unreliability.” Beijing sei vor allem über die “poor governance” und “rampant corruption“ des Regimes enttäuscht.

Interessant war die chinesische Reaktion auf den amerikanisch-israelischen Angriff. Zwar verurteilte Außenminister  Wang Yi pflichtschuldig die Ermordung Al Chameneis, blieb aber in seiner Rhetorik insgesamt relativ milde – vor allem wenn man sie mit der Wortwahl bei der Entführung Maduros vergleicht. Dessen Absetzung hat China damals „strongly condemned“. Das Wort „condemned“ wurde nur beim ersten Statement zum Tode Al Chameneis verwendet. Danach hieß es nur noch, man sei „highly concerned“. Außerdem wurde gefordert, dass Irans Souveränität „should be respected“ statt des härteren „must be respected“.

Beijing verhält sich im Falle des Iran wie bei anderen Konflikten: Es verurteilt, vermeidet ein direktes Engagement und präsentiert sich als Verteidiger des internationalen Rechts. Bonnie Glaser (German Marshall Fund) sagte gegenüber Red Threat: „China will use the conflict to position itself as the defender of the international order and portray as the destabilizer.”

 Natürlich leidet China unter den ausbleibenden Öllieferungen durch die Schließung der Straße von Hormuz. Aber es hat ja eine Alternative: Russisches Öl und Gas, wodurch aber die ausbleibende Nahost-Lieferungen nicht vollständig kompensiert werden können. Wirtschaftlich könnte der Krieg China also vorübergehend schaden. Aber politisch-strategisch könnte er China einen Vorteil verschaffen. Denn durch den Krieg im Nahen Osten müssen die USA zwangsläufig ihr Engagement im Indo-Pazifik vernachlässigen. 

Info:

Kommentar von Evan A. Feigenbaum: https://carnegieendowment.org/emissary/2026/03/iran-china-us-intervention-strategy

Der Foreign-Affairs-Artikel von Yun Sun: https://www.foreignaffairs.com/china/why-china-wont-help-iran

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