Seit wenigen Tagen fahren 20 Elektrobusse durch den Landkreis Birkenfeld in der Eifel. Unter anderem kurven sie durch Idar-Oberstein. So weit so gut. Doch statt für ihr umweltbewusstes Verhalten gelobt zu werden, werden die Verantwortlichen kritisiert. Denn die Nahverkehrsbetriebe Birkenfeld haben die Busse bei einem chinesischen Unternehmen bestellt – bei BYD.
Und Produkte aus China, die in der Infrastruktur eingesetzt werden können, gelten im derzeit herrschenden politischen Klima als Teufelszeug. Bernhard Ehmann, Geschäftsführer der Nahverkehrsbetriebe Birkenfeld, verteidigt sich. Es hätte vorschriftsmäßig eine europaweite Ausschreibung gegeben. Dabei habe BYD gewonnen, weil die Chinesen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis gehabt hätten.
Der umstrittene Kauf in Birkenfeld wäre wahrscheinlich unter dem Radar der Öffentlichkeit geblieben, wäre da nicht Ende des Jahres die Ankündigung der Deutschen Bahn gewesen, die ebenfalls BYD-Elektrobusse anschaffen will. Ihre Tochter DB Regio will in den nächsten Jahren 3300 Elektrobusse kaufen. Der größte Teil der Bestellung ging an den deutschen Hersteller MAN, aber auch BYD sollte rund 200 Busse liefern. Und damit wurden die chinesischen E-Busse zu einem Politikum. Plötzlich entdeckten die Politiker aller Couleur die Busse als fahrbare trojanische Pferde, die hierzulande den Verkehr lahmlegen könnten. Gegenüber der Frankfurter Rundschau sagte Grünen-Politiker Konstantin von Notz: Es müsse zweifelsfrei sichergestellt werden, dass „eine weitreichende Manipulation kritischer Verkehrsinfrastruktur und das Abschalten ganzer Flotten aus der Ferne glasklar ausgeschlossen werden können.“ Roderich Kiesewetter (CDU) – bekannt aus vielen Talkshows – sieht den Kauf ebenfalls „sehr kritisch“. Es seien “erhebliche Sicherheitsrisiken bei chinesischen Herstellern und die Anfälligkeit für Spionage und Sabotage bei chinesischen Fahrzeugen bekannt“. Auch die SPD-Abgeordnete Isabel Cademartori sieht den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) als „kritische Infrastruktur“, in der chinesische Produkte nichts zu suchen hätten.
In Österreich sieht man das übrigens anders. In Amstetten, einer Stadt in Niederösterreich, fahren sieben chinesische E-Busse der Marke Yutong durch die Straßen. Gegenüber dem ORF erklärten die Stadtwerke Amstetten, die Busse seien „nicht Teil der systemkritischen Infrastruktur und nicht in Notfall- oder Krisenpläne eingebunden. Daher besteht aus unserer Sicht keine sicherheitsrelevante Gefahrenlage.“ Ähnlich argumentiert auch die Deutsche Bahn. Sie beruhigt und erklärt in einer Stellungnahme, sie sehe „keinen Anlass zur Annahme, dass die Fahrzeuge lahmgelegt werden können“. Und BYD erklärt, dass das Unternehmen nicht über die Möglichkeit verfüge, Fahrzeuge fernzusteuern.
Die Kritiker sehen das anders und verweisen auf einen Test des Osloer Transportbetreibers Ruter, der mehrere Busse der Marke Yutong einsetzt. Im November 2025 hat Ruter einige dieser Busse in einer Mine getestet und kam dabei zu dem Ergebnis: Der chinesische Hersteller habe über Mobilfunknetze direkten digitalen Zugriff auf das Steuerungssystem für Akkus und Stromversorgung jedes einzelnen Busses. Die Busse können also theoretisch vom Hersteller aus der Ferne gestoppt werden. Als Reaktion entfernte Ruter die SIM-Karten und entwickelt Firewalls.
Wir sind erst am Beginn einer Diskussion, die sicher noch zunehmen wird, wenn immer mehr chinesische Elektroautos auf europäischen Straßen unterwegs sein werden. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat sich schon mal warnend zu Wort gemeldet. Gegenüber dem Handelsblatt (31. Januar) erklärte das BfV: „Prinzipiell ist es möglich, dass Angreifer unerlaubten Zugriff auf die Internetschnittstelle (WLAN/mobile Datenverbindung) von Fahrzeugen erlangen und so Informationen erbeuten.“ Doch das Amt sagte auch, dass derzeit „keine konkreten Erkenntnisse zu chinesischer Spionage durch Technik“ vorliegen, die in chinesischen Elektroautos verbaut ist. Das Bundesinnenministerium wartet erstmal ab, lässt aber durch einen Sprecher via Handelsblatt verbreiten: „Aufgrund der steigenden Marktanteile chinesischer Autohersteller im europäischen Markt, der geopolitischen Lage und der chinesischen Machtambitionen ergibt sich die Notwendigkeit, mögliche Risiken chinesischer Fahrzeuge genau im Blick zu haben.“
Info:
Hier ein Artikel der Frankfurter Rundschau zu den chinesischen E-Bussen: https://www.fr.de/wirtschaft/deutsche-bahn-kauft-china-busse-extrem-deutliche-warnungen-unserer-nachrichtendienste-zr-94096330.html
Und hier der Artikel im Handelsblatt: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/spionagegefahr-verfassungsschutz-warnt-vor-fernzugriff-auf-chinesische-e-autos/100194216.html