TREND I China Maxxing – Amerikas Jugendliche entdecken China

Was ist denn das? Auf Instagram und TikTok trinken junge Menschen warmes Wasser und Tsingtao-Bier, sie schlürfen Reissuppen zum Frühstück, sie preisen die Wohltaten der Traditionellen Chinesischen Medizin, sie zeigen sich in traditionellen Tang-Jacken, sie rauchen Zigaretten der Marke „Double Happiness“, sie betreiben Qigong und Tai Chi, und, und… China ist bei ihnen in, ist plötzlich chic.

Ein neuer überraschender Trend hat sich unter jungen Menschen im Westen – vor allem in den USA – entwickelt. Er heißt China maxxing. In der Jugendsprache bedeutet Maxxing so etwas wie Mega, also etwas sehr Großes, sehr Bedeutendes.   

Aber ist es wirklich ein Trend oder nur eine vorübergehende Modeerscheinung? Für die Beantwortung dieser Frage ist es zu früh. Zu jung ist diese China-Begeisterung, die erst gegen Ende des vergangenen Jahres in den USA via soziale Medien startete. Auch Videos von Ausländern, die in China leben und arbeiten, trugen zu der Glorifizierung chinesischer Lebensart bei.   

Warum diese Begeisterung gerade jetzt? Sie habe auch etwas mit der Unzufriedenheit mit Amerika zu tun, schreibt Marni Rose McFall im US-Magazin Newsweek: „For some, the trend has signified a shift in how the UnitedStates is perceived.“ Dieser Trend signalisiere „discontent over life in America and the West more broadly”.  Hinzu kommt: Junge Menschen – nicht nur in den USA – haben eine andere, eine unbefangenere Einstellung zu China als die Generation ihrer Eltern. Cindy Yu verweist in einem Artikel für die New York Times auf eine Umfrage des Pew Research Center, wonach die unter 34-jährigen China viel positiver sehen als die über 50-jährigen. Während die älteren Amerikaner China überwiegend politisch und ideologisch betrachten, ist für die Jüngeren China ein modernes Land mit vielen technologischen Gimmicks. Der in China lebende Amerikaner Brian A. Wong, Gründer des Online-Magazins RADII, schreibt dort in dem sehr lesenswerten Artikel „China´s Cultural Breakout – Understanding the Generation Rewriting the Rules“: „In the past, Western narratives about China were dominated by geopolitics, tensions, and suspicion. This year signaled a flip: United States GenZ suddenly encountered China through vibes, not politics; through subculture, not headlines…”.

Wie sehen aber die Chinesen diesen Trend? Sie sind in ihrem Urteil gespalten. Die einen kritisieren die Romantisierung und Reduzierung ihrer Kultur auf wenige Dinge wie Essen, Trinken und Mode. Übrigens sieht auch Newsweek  den neuen Lifestyle-Trend „as a romanticiation of life in China”. Andere Chinesen wiederum freuen sich, dass China endlich mal positiv aufgenommen wird, dass die Sinophobie zumindest in diesen Kreisen ein Ende hat. So sehen es auch die chinesischen Medien. Global Times fragt in der Überschrift eines Artikels vom 9. Februar: „What are Western Gen Z seeking behind viral ‘Chinamaxxing’ trend?  Die Antworten folgen dann im Text. Vier Gründe nennt das Boulevardblatt, warum China bei den jungen Amerikanern plötzlich positiv gesehen wird. Erstens die Sicherheit im Lande. Zweitens die funktionierende Infrastruktur (mit Verweis vor allem auf das gigantische Bahnnetz). Drittens die „overall governance capacity“. Viele Ausländer seien überrascht von der Effizienz und Nutzerfreundlichkeit der Dienstleistungen lokaler Regierungen, behauptet das Blatt. Und Viertens werden die Annehmlichkeiten im täglichen Leben durch die viele technischen Innovationen genannt – vor allem rund ums Internet.

Letzteres ist auch ein Grund, warum gerade im Silicon Valley eine gewisse China-Begeisterung ausgebrochen ist. Darüber berichtet Afra Wang in ihrem ebenfalls sehr lesenswerten Essay „Another Reckoning with China“ in The Ideas Letter 53 (26. November). Afra Wang ist 30 Jahre alt und lebt im Silicon Valley. Im Jahre 2012, damals war sie gerade 17 Jahre alt, kam sie von China nach Kalifornien. Damals wussten Amerikaner ihrer Altersgruppe relativ wenig von China und wenn, waren es die üblichen Klischees: Chinesische Mauer, Fahrräder und Pandas. China war für die meisten jungen Amerikaner ein entferntes Land – geographisch und technologisch. Und heute?  “If you told my teenage classmate that American kids in 2025 would look to China for inspiration, they would have laughed.” Sie sehen und wissen, was alles aus China kommt: TikTok, Drohnen, Elektroautos, rasende Schnellzüge, verrückte Straßenmode auf Nachtmärkten. Afra Wang schreibt: „Younger Americans no longer see China as a rival to be contended. They see it as simply part of the landscape, a sovereign fact in the world.” Sie zitiert einen 22jährigen Ingenieur aus der Bay-Area, mit dem sie letzten Sommer auf einer Informations-Reise in China war. Für ihn sei “China modernity itself. It is what the future supposed to look like.”

Info:

Hier der Artikel von Brian A. Wong in RADII: https://radii.co/article/chinas-cultural-breakout-understanding-the-generation-rewriting-the-rules

Hier der Artikel in Global Times: https://en.shio.gov.cn/TrueCMS/shxwbgs/voices/content/20260212205133909.htm

Hier der Artikel von Afra Wang in The Ideas Letter: https://www.theideasletter.org/essay/another-reckoning-with-china/

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