POLITIK I Kritische Rohstoffe – eine Anti-China-Front entsteht

Die seltenen Erden sind die stärkste Waffe Chinas in der geopolitischen Auseinandersetzung mit den USA und dem Westen. Denn bei diesen Rohstoffen hat China ein Quasi-Monopol, wie inzwischen jeder weiß. Viele Industrien des Westens – darunter auch die Militärbranche – sind davon abhängig, dass China liefert. In den vergangenen Monaten hat das China nicht getan bzw. den Kauf erschwert. Nicht aus Lust und Laune, sondern – und das wird meist in der öffentlichen Diskussion nicht mehr erwähnt – als Reaktion auf Sanktionen der USA, vor allem im Bereich der Chip-Exporte nach China. Für den Westen war diese chinesischen Restriktionen der letzte Weckruf zum Handeln.  

Am 4. Februar lud deshalb die US-Regierung zum 2026 Critical Minerals Ministerial Meeting nach Washington ein. 54 Länder schickten Delegationen, 43 davon waren mit Ministern vertreten. Die gastgebenden USA kamen, neben Vizepräsident JD Vance, mit einer ganzen Ministerriege, um die Bedeutung des Themas zu unterstreichen:  Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Innenminister Doug Burgum, Energieminister Chris Wright und der Handelsbeauftragte Jamieson Greer. In einem Fact Sheet des Außenministeriums heißt es: „The US is demonstrating unprecedented leadership in critical minerals diplomacy.“

Bei dem Treffen wurden mehrere Ergebnisse erzielt. So wurde zum einen das Forum on Resource Geostrategic Engagement (FORGE) installiert – ein Zusammenschluss von willigen Staaten, die bei Investitionen in kritische Rohstoffe zusammenarbeiten wollen.  Außerdem wurde zwischen den USA, Japan und der EU eine „Strategic Partnership on Critical Minerals Supply Chain Resilience“ vereinbart. Innerhalb der nächsten 30 Tage soll hierzu bereits ein Memorandum of Understanding (MoU) erstellt werden. Warum die Eile der Amerikaner? Das hat mit dem im April stattfindenden Besuch Trumps in China zu tun. „They need something that Trump can put on the table with Xi. They want to show the Chinese there is a united front, that their rare-earths leverage is evaporating”, wird ein deutscher Diplomat in Noah Barkins Newsletter „Watching China in Europe“ zitiert.

Für Trump ist das Rohstoff-Thema sehr wichtig, weil er erkannt hat, dass die USA durch China erpressbar ist. So startete die US-Regierung bereits einen Tag vor dem Treffen in Washington das „Project Vault“. Sie sieht die Einrichtung einer strategischen Reserve für diese Rohstoffe vor. Die staatliche Export-Import Bank of the United States (Exim) gab dazu einen Kredit von über zehn Milliarden $. Private Investoren steuerten 1,67 Milliarden zu dem Projekt bei. Die US-Regierung will – und das ist der neue Ansatz – verstärkt auch privates Kapital miteinbeziehen. So wurde zum Beispiel das Orion Critical Mineral Consortium gegründet, in dem sich staatliche und private Investoren befinden, um Minen in aller Welt zu kaufen. In den vergangenen sechs Monaten hat die US-Regierung über 30 Milliarden $ ausgegeben, um sich an Rohstoff-Firmen und Minen zu beteiligen. So ist zum Beispiel das Verteidigungsministerium – das ja jetzt Ministry of War heißt – mehrheitlich am MP Minerals beteiligt. Dieses Unternehmen betreibt unter anderem die einzige US-Lagerstätte von Seltenen Erden in Mountain Pass. Die USA betreiben damit inzwischen eine ähnliche (staatliche) Rohstoffpolitik wie China. 

Was bedeutet das für Europa? Nichts Gutes. „Europa steht zwischen Washingtons und Pekings Rohstoff-Geopolitik zunehmend isoliert da“, heißt es in einem aktuellen Papier der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS). Die Autoren Jakob Kullik und Dennis Bastian stellen fest: „Unter den großen Industriemächten, die bislang an Chinas Rohstofftropf hängen, vernachlässigte die EU am längsten den Zusammenhang von ökonomischer Versorgungssicherheit und politisch-militärischer Erpressbarkeit.“

Zwar gebe es in der EU seit 2023 den European Critical Raw Materials Act und seit 2025 den RESourceEU Action Plan, doch deren viel zu ehrgeizige Ziele seien „kaum erreichbar“. Anders als die USA setze Europa weniger auf eigene Förderung, sondern mehr auf Verarbeitung, Recycling sowie  zum Beispiel auf Innovationen durch Ersatzprodukte.

Das ist übrigens ein Weg, den gerade ein Report des Council on Foreign Relations (CFR) auch für die USA empfiehlt. Darin schreiben Heidi Crebo-Rediker und Mahnaz Khan: „The US should seek to leapfrog China´s dominance by scaling disruptive innovation, recovery, and recycling.”

Die Abhängigkeit von China hat jedenfalls viele Staaten wachgerüttelt und sie zu vielfältigen Aktivitäten veranlasst. So suchen 

einige Staaten verstärkt nach den begehrten Rohstoffen ganz tief in den Ozeanen dieser Welt. Die Japaner sind da sehr aktiv. Aber auch die Chinesen bleiben nicht untätig. Am 29. Januar kündigte der staatliche Konzern China Aerospace Science and Technology Corp. (CASC) ein Projekt an, um im All nach Seltenen Erden zu suchen. Das Parteiblatt People´s Daily zitiert den Wissenschaftler Wang Yumin (Chinese Academy of Engineering): „The moon, asteroids, and Mars contain vast amounts of platinum group metals, rare earth elements and other scarce strategic resources.”  An einigen Universitäten des Landes wird diesbezüglich geforscht und einige space mining startups haben sich bereits gebildet. Bliebe nur noch die Frage zu klären: Wem gehören die Rohstoffe im All?

Info:

Factsheet des US-Außenministeriums zum Meeting in Washington. :

https://www.state.gov/releases/office-of-the-spokesperson/2026/02/2026-critical-minerals-ministerial/

Das BAKS-Papier von Jakob Kullik und Dennis Bastian: https://www.baks.bund.de/de/arbeitspapiere/2026/angriff-auf-chinas-rohstoffmonopol-wie-europa-bei-seltenen-erden-co

Und hier der CFR-Report von Heidi Crebo-Rediker und Mahnaz Khan: https://www.cfr.org/articles/new-cfr-report-outlines-how-the-u-s-can-leapfrog-chinas-critical-minerals-dominance

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